Telagon Sichelputzer

kress mit Werbetweets: Lohnt sich das überhaupt?

Gratis, umsonst, kostenlos. Das Internet und diverse Social Media Angebote offerieren den Nutzern unzählige Inhalte zum interagieren und konsumieren. Vornehmlich sind redaktionelle Inhalte ein hochwertiges Gut, dass von irgendwem erstellt und produziert werden muss. Die Recherche, das Schreiben, das Bereitstellen – dieser Aufwand von unzähligen Redaktionen verschlingt beachtlich viel Geld. Journalismus at Highspeed versus die Forderung nach Qualitätsjournalismus – das kennen wir ja zu genüge. Wer gute Inhalte konsumieren möchte, bezieht solche Inhalte im Abonnement gegen Bezahlung. Die Alternative für die Refinanzierung von digitalen Inhalten stellt, wie seit Jahr und Tag bekannt, die Online-Werbung in all ihren Facetten dar: Ob Display-Ads oder InVideo-Advertising – mittlerweile findet sich für jeden Content-Anbieter eine Option zur Refinanzierung des redaktionellen Aufwands.

Die berüchtigte “Kostenlos-Kultur” im Internet ist nämlich nicht kostenlos, denn ein wirklich werbefreies Angebot gibt es nicht. Mit Ausnahme von wenigen Bloggern, die selbst keine Werbebanner oder Anzeigen schalten, oder den bekannten “Paid-Content”-Angeboten, findet der Nutzer nahezu kaum echte “kostenlose” Inhalte, die einen inhaltlichen Informationswert oder nachhaltigen Mehrwert liefern.

Fachpublikationen und Branchenmagazine kämpfen auch in Deutschland um die Gunst der Leser. Mittlerweile nicht mehr zu wöchentlichen Erscheinungsterminen, sondern zu jeder Stunde. W&V, Horizont, DWDL, Internet World Business, kressreport oder turi2 sind besonders im Bereich Medien, Marketing und Kommunikation die Vorreiter der Informationsverbreitung. Auch bei Twitter treffen sich die Redaktionen und sind mit ihren Informationen meist schneller, als es die Post erlaubt. Kommen wir zurück zur Ausgangslage. Denn all dies möchte doch bitte finanziert werden.

Nun kommt Twitter als weiterer Distributionskanal daher, das natürlich für die Branche eine neue Option zur Verbreitung ihrer Inhalte ist. Auch gestandene Nachrichtenportale wie Spiegel Online setzen auf Twitter zur Verbreitung ihrer Nachrichten. Meist erfolgt dies als Tweet, der einer Kopie der RSS-Feeds gleicht, manchmal steckt auch eine gewisse persönliche Kommunikation, der vielgelobte Dialog auf Augenhöhe, mit den Followern statt. Die Fachmagazine rund um Medien, Marketing und Kommunikation stehen da an vorderster Stelle. Ich bin immer wieder begeistert über den einen Tweet im Dialog mit den Redaktionen. Bis dato ist diese Informationspolitik mit Dialogcharakter fast immer “werbefrei”. Bis heute zumindest.

Ab sofort startet der @kressZwitscher ein neues Vermarktungsangebot für Werbetweets:

kress bietet Ihnen ab sofort die Möglichkeit einen Anzeigen-Tweet auf http://twitter.com/kressZwitscher zu buchen. Mit dieser innovativen Werbeform können sie Nachrichten in Echtzeit kommunizieren und erreichen eine Zielgruppe, die besonders affin für aktuelle Geschehnisse in der Medien- und Marketing-Welt ist. Die Follower von „kresszwitscher“ sind aktive Multiplikatoren, die Meinungen bilden und verbreiten – unsere Nachrichten werden sehr häufig „retwittert“, das heißt, unsere Follower leiten die Nachrichten an ihre Follower weiter usw.
Pro Tag wird nur ein Anzeigen-Tweet versendet, so können wir Ihnen eine einmalige Exklusivität bieten, denn Sie müssen den Werberaum nicht mit anderen Werbungtreibenden teilen.

Bereits mit 200,00 Euro ist man beim Gezwitscher von kress mit von der Partie und kann bis zu 110 Zeichen an fast 8.000 Follower verbreiten. Eine einfache und kostengünstige Alternative, um die Werbebotschaft an den Mann und an die Frau zu brignen. Die wiederum natürlich nicht ausschließlich die Tweets in ihrer Übersicht erhalten, sondern viele weitere Tweets anderer Tweeple zum Mitlesen. Da geht ein Tweet schnell mal unter. Es vergehen nur wenige Sekunden, bis bei mir die Tweets aus der individuellen Twitter-”Home” nach hinten durchgereicht werden. Werbung würde sich dann zumindest bei mir schnell aus den Augen verlieren. Wird also die Werbung dann auch als echte Werbung gekennzeichnet, so dass “Werbung: ” vor dem Werbetweet zu lesen ist? 10 Zeichen von 140 weniger, abzüglich der 110 Zeichen ergeben nur 20 Zeichen für eine letzte (Short-)URL auf das beworbene Angebot.

Ich nutze Twitter mit @sichelputzer nahezu ausschließlich privat und hoffe, dass dies meinen Followern auch bewusst ist. Neben dem üblichen Tratsch und Netzgeflüster bestehen viele Tweets überwiegend aus Links zu diversen Online-Angeboten, natürlich auch mal dem eigenen Links. Da fragt man sich doch, ob die Streuverluste von werblichen Tweets nicht sogar so hoch ausfallen, dass sich diese Offerte nicht über kurz oder lang in Wohlgefallen auflöst?

Vor allem ist die Zielgruppe der Follower viel zu undurchsichtig, da keine vollständigen sozio-demografischen Angaben für die Mediaplanung bei Twitter im Profil hinterlegt sind. Der Aufwand, jeden Follower zu analysieren, liefert über die verfügbaren Profilangaben zu wenige Details. Selbst das händische Auswerten der Nutzer über die Profillinks zu Webseiten, Blogs oder XING-Accounts beinhaltet viele ungenaue Details. Es wäre durchaus eine viel zu vage Vermutung, dass die Follower eines Mediums den typischen Leitbildern einer Media-Analyse, respektive Zielgruppen-Analyse hinsichtlich Geschlecht, Alter, Beruf, Familienstand, Einkommen und Bildung entsprechen. Bucht man den Werbetweet auf gut Glück oder sucht man die Masse statt Klasse?

Und wie wirkt sich ein Werbetweet auf die Follower aus? Würden sie die werbliche Tweets aktiv nutzen, oder doch selbst bei nur einem Werbetweet pro Tag unfollowen? Newsletter und Webseite zu kress liefern für wissbegierige Follower selbstverständlich ebenfalls die Nachrichten, die zwar mit Werbung refinanziert werden, aber durch die Detailfülle wiederum punkten können. Das Heft steht dabei außer Frage. Oder die Follower greifen natürlich auf konkurrierende Angebote zurück.

Ich bin persönlich sehr gespannt, wie erfolgreich die Werbetweets werden und ob sich hier eine Erlösquelle für gut besuchte Twitter-Accounts ergibt. Bisher hörte man in der Twittersphere nur von Fehlversuchen eines Werbetweet-Modells – so wie Social Media halt ist, springt es einem direkt, unverblümt und ehrlich zurück ins Gesicht.

Kategorien: Marketing, Medien, Microblogging, Social Media
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Zur Bundestagswahl 2009

Gestern verfolgten wir das letzte Aufbäumen im aktuellen Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 auf ProSieben. Niemand geringeres als Stefan Raab lud führende Politiker der Regierung und Opposition in die Sondersendung von “TV total”. Ihren Platz in der Sendung nahmen Christian Wulff (CDU), Franz Müntefering (SPD), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Guido Westerwelle (FDP), Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Gregor Gysi (DIE LINKE.) ein. Wer fehlte war offensichtlich: Frau Merkel und Herr Steinmeier ließen sich vertreten.

In etwas mehr als drei Stunden debattierten und diskutierten die Spitzenkandidaten und ihre Vertreter vor einem lautstarken Publikum und wetterten gegen alles und jeden. Immerhin versprühte diese Sendung genug Würze für unentschlossene Wähler, die nach dem langweiligen Kanzlerduell sich nach einem Schlagabtausch sehnten. Während das damalige TV-Duell zu einer Farce zwischen bisherigen Koalitionspartnern wurde, entwickelte sich in der gestrigen Sendung zumindest Potential für einen verbalen Schlagabtausch. Und das tat den Wählern gut, wenn sie am Samstagabend noch Zeit für diese Elefantenrunde hatten.

Was Netzbürger interessieren mag: Ja, die Piraten waren nicht in Person, sondern nur als Teil der Debatte vertreten. Der platte Startschuss von Herrn Guttenberg, der die Piraten süffisant als “vor Somalia” abwiegeln wollte, kam selbst bei den anderen Politikern nicht gut an. Daraus schlug Herr Trittin einen Bonus, indem er von Gesprächen mit den Piraten erzählte und sich für die Interessen der Piraten bekundete. Doch mit einem hat er wohl recht: Wenn die Piraten die Fünf-Prozent-Hürde nicht erklimmen, kann mit den Stimmen nichts erreicht werden. Deswegen plädierte Trittin auch für die Stimme an die Grünen, die aller Wahrscheinlichkeit nach eher im Bundestag vertreten sein werden als die Piraten. Urteilen über diese Situation, die schon einen gewissen Wahrheitscharakter besitzt, sollte jeder selbst nach bestem Wissen und Gewissen.

Es ist nicht verwunderlich, dass laut jüngster Pressemitteilung diese Ausgabe von “TV total” mit 25,3 Prozent bisher die stärkste Wahlsendung bei den jungen Zuschauern im Alter von 14-29 Jahren war, was auf insgesamt 15,2 Prozent MA bei den 14-49-jährigen Zuschauern widerspiegelte. Das nicht offizielle Endergebnis der “TV total Bundestagswahl” liest sich wie eine Kampfansage sowohl an die regierenden Parteien als auch an die Opposition:

  • CDU/CSU: 26,6%
  • SPD: 17,7%
  • FDP: 19,9%
  • BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 15,4%
  • DIE LINKE.: 20,5 %

Heute entscheiden wir uns für die Zukunft in Deutschland. Wir sind die Wahlberechtigten. Geht wählen!

Kategorien: Medien, Politik
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Yeaahh!

Politikverdruss in Deutschland? Nein, danke. Kurz vor der Wahl sieht man nahezu jeden Tag etwas bei Rivva zu den Parteien, dem Wahlkampf und den Plattitüden der Politiker. Auch dämliche Ausrutscher gibt es, die aber nicht wirklich entschuldbar sind. Doch diese Aktion, die aus einer Kritzelei in einen Flashmob auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung der Bundeskanzlerin mündete, das nenne ich mal einen wirksamen und medial glorreich inszenierten Protest-Feldzug: Yeaahh! Yeaahh! Yeaahh! Yeaahh! Yeaahh!

Immerhin zeigt ein Teil der deutschen Bevölkerung, dass die Wähler auch immer jünger werden, und dass Senioren-Taktik im Wahlkampf überhaupt nicht gut ankommt. Und jetzt auch mit Song beim Johnny. Zumindest blieb dieser Protest nicht unbeachtet: Spiegel-Online berichtet fleissig über den Flashmob.

Kategorien: Politik
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Did You Know 4.0

Die neueste Version von “Did You Know” ist diesmal ein brillantes Video von Karl Fisch, das die veränderten Bedingungen der Medienwelt überaus eindrucksvoll und zeitgemäß mit überwältigenden Zahlenbeispielen darstellt.

Unbedingt anschauen! (via Spreeblick)

Kategorien: Medien, Social Media
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Polizei-Terror bei “Freiheit statt Angst” Demonstration?

Dies ist eine schwierige Situation für mich als Vater, Ehemann, Berufstätiger, Pressemensch, Meinungsbildner, Bürger, Wähler, Homo Politicus. Darf eine Staatsmacht gegen seine Bürger, die scheinbar friedlich ihre Meinung kund geben und die Transparenz im Staate fordern, mit Gewalt vorgehen? Mit allem Respekt, wer als Vertreter einer Macht im Staate ein verantwortungsvolles Amt trägt, sollte auch seiner Verantwortung gerecht werden. Die Polizei dient zum Schutze des Bürgers und nicht minder zum Schutze des Staates. Bei der Großdemonstration in Berlin, der “Freiheit statt Angst“, gingen wohl 25.000 Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen die totale Überwachung von Telefon, Handy und Internet – gegen die ausufernde Überwachung in Deutschland.

Selbst wenn es laut eigenen Angaben auf Seiten der Demonstranten friedlich zulief, spielte die Gegenseite, in diesem Fall die Polizei, anscheinend nicht mit. Wie in dem Video eindrucksvoll und beängstigend dokumentiert ist, wurden scheinbar mehrere Passanten durch rohe Gewalt der Polizei-Sicherheitskräfte verletzt. Wenn man diese wenigen Minuten im Video betrachtet, kommt einem das Gefühl der totalen Ohnmacht. Was kann man dagegen machen? Kann man überhaupt? Ja, ich glaube, dass man hier etwas unternehmen sollte, denn dieser Zwischenfall darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Was für ein Glück im Unglück, dass die Sympathisanten und Demonstranten mit zahlreichen Digitalkameras und Videokameras ausgerüstet sind, um diesen potentiellen Machtmissbrauch seitens der Personen in Uniform sehr detailgenau für die Nachwelt aufzunehmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Polizisten sich unter dem Deckmantel einer Einheit, ohne Angabe einer Dienstnummer, im Schleier der Team-Verbrüderung, nahezu unerkannt bei Großveranstaltungen bewegen konnten und gegenüber den Bürgern gewalttätig werden.

Um diese Thematik direkt anzuprangern, könnte man folgendes sagen: Ihr seid es, die jetzt auf Video dokumentiert sind. Eure Gesichter kennt jetzt nicht nur derjenige Mensch, gegen den ihr Gewalt anwandt, sondern es sind Millionen eurer Mitbürger, denen ihr jeden Tag in eurem Leben auf der Straße begegnen werdet. Social Media ist nicht nur für einige wenige Geeks und Nerds ein kommunikatives Instrument. Nein, Social Media ist zur Macht der Menschen geworden. Ihr werdet auch lückenlos aufgenommen, so wie es der Staat mit seinen Bürgern versucht, aber eure Aufnahmen verbreiten sich wie Lauffeuer im Internet. Hier werden eure Fehler detailgetreu dokumentiert und öffentlich angeprangert, denn ihr seid für eure Taten verantwortlich.

Das sollte jedem, der eine Uniform trägt, der ein Amt bekleidet, eine Organisation oder den Staat vertritt, zu denken geben. Ihr seid selbst für euer Handeln verantwortlich. Die Bevölkerung dokumentiert euer Treiben, ihr prangert euch selbst an. Schützt euch vor euch selbst und vollzieht die Konsequenzen, in dem die Verantwortlichen sich nicht ihrer Verantwortung entziehen können. Das Internet vergisst euch nicht, die Medien nehmen diesen Vorfall ernst. Glaubt ihr noch wirklich, dass ihr alle so weitermachen könnt? Fehlanzeige.

Immerhin reagiert die Polizei nach mehrfachen Anfragen von Journalisten und Presseagenturen und leitet laut ihrer Stellungnahme ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt ein:

Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten. Das Ermittlungsverfahren wird durch das zuständige Fachdezernat beim Landeskriminalamt mit Vorrang geführt.

Was bleibt zu sagen? Ganz wichtig ist meiner Ansicht nach, dass niemand der Beteiligten und der im Video gezeigten Personen pauschal verurteilt wird. Die Sache mit den Fahndungsfotos, wie in einigen der Berichte zu lesen ist ist schon sehr hart, und ähnelt einem Lynch-Mob aus einem schlechten Western. Auch sollte immer bedacht werden, dass trotz aller Emotionalität dieses Themas wir alle rational bleiben müssen, und darauf hoffen sollten, dass unsere Rechtsprechung in diesem traurigen Fall die richtige Entscheidung treffen wird. Die Wahrheit liegt immer im Detail.

Kategorien: Medien, Politik, Public Relations, Recht, Social Media
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Anti-Sympathieträger Hans-Martin schlägt den Raab

Mir juckte es in den Fingern, als ich gestern Abend ProSieben einschaltete und die einzig interessante Sendung genoss: Schlag den Raab ist zurück und der bekannte Moderator stellt sich seinen Herausforderern. Das erfolgreiche TV-Format begeistert seit geraumer Zeit die Massen, bei Twitter findet sich zu #sdr einiges. Einer von fünf Kandidaten darf nach einem Publikums-Voting gegen den Gastgeber Stefan Raab in insgesamt 15 Spielen antreten, um mit Können, Geschick und etwas Glück den Preis in Höhe von 500.000 Euro mit nach Hause nehmen. Gestern Abend bestimmte das Publikum Hans-Martin Schulze, einen Pharmazie-Praktikanten aus Oldenburg. Der junge Mann wirkte sehr sportlich, durchtrainiert, athletisch – ein guter Allrounder, der es mit dem Wunderkind Stefan Raab messen würde.

Doch nach wenigen Sekunden entwickelte sich durch das Auftreten des jungen Mannes eine ungeahnte Eigendynamik der mehrstündigen Sendung, wie man sie bisher noch nie gesehen hatte. Das Publikum, die Moderatoren und Kommentatoren, die Fernsehzuschauer und wahrscheinlich selbst Stefan Raab mussten feststellen, dass der Kandidat alles andere als im Bewerbungsvideo war. Ein hohes Maß an Selbstgefälligkeit, blanker Stolz, anhaltender Hochmut, ungebändigte Schadenfreude, aggressive Siegesgästen, anfeuernde Selbstgespräche – dieses Verhalten missbilligte scheinbar jeder während der Live-Sendung. Man weiß natürlich nie, wie man sich selbst in einem sportlichen Wettkampf mit dem Adrenalinrausch vor laufender Kamera verhalten wird. Doch merkt der Kandidat nicht zumindest nach den ersten Ausrutschern, dass er sich wirklich auf Glatteis begeht? Dieser Abend lässt sich als Lehrstück auf jedenfall für alle zukünftigen Kandidaten der Show werten. Schaut euch die Sahnestücke aller Spiele und Szenen ganz genau an, damit ihr nicht auch die Ungunst des Publikums spüren müsst.

Über Twitter konnte man gestern Abend und selbst noch heute am Vormittag verfolgen, wie sich die Netzgemeinschaft binnen weniger Sekunden einheitlich gegen einen Unbekannten stellt. Die Tweets wurden wirklich bei nahezu jedem negativen Kommentar mit “#hassmartin” verschlagwortet. Auch im offiziellen Forum konterte das Fernsehpublikum sehr eindeutig. Zwar ist diese Demonstration der Ablehnung keinesfalls produktiv für den Moment selbst, aber man konnte wunderbar beobachten, dass Hans-Martin alles andere als ein Publikumsliebling war. Zu fragen bleibt allerdings, weshalb sich das Publikum auf ein ähnlich tiefes Niveau herablassen musste? Wie Stefan Niggemeier in einem Artikel der FAZ treffend formulierte, blieb dabei allerdings unklar, “welchen Grund nun ausgerechnet diese Leute haben sollten, sich mit ihrer begeistert zur Schau gestellten Asozialität dem sozial ungeschickten Kandidaten überlegen zu fühlen.” Statt des Social Mob macht Twitter-Deutschland jetzt auf Twobbing?

Doch damit nicht genug. Das Internet wurde parallel zur Sendung dafür genutzt, mehr über diesen Anti-Sympathieträger herauszufinden. Schnell kamen Einträge aus dem örtlichen Telefonbuch zum Vorschein, denn ein Hans-Martin in Oldenburg zu finden ist gewiss nicht schwer. Die Aufforderung, dem Kandidaten mit einem persönlichen Telefonanruf die kommenden Tage ganz anders als erwartet zu gestalten, kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Der junge Mann sollte sich schnellstmöglich eine neue Nummer zulegen. Für die Online-Reputation des jungen Mannes, der seine berufliche Karriere ja noch vor sich hat, tat sein Auftritt keinesfalls etwas positives ab. Google spricht Bände. Und sein Freundeskreis, wie Florian Meyer thematisiert, wird gewiss das eine oder andere Mal darüber nachdenken, wie sich ihr Freund in aller Öffentlichkeit vor einem Millionenpublikum präsentiert hat. Immerhin steht für den jungen Mann eine Tatsache fest: “Ich bin auch nicht hierhin gekommen, um neue Freunde zu gewinnen, sondern das Geld.” Ein wirklich schöner Preis für jemanden, der nach eigenen Angaben einen IQ von 143 besitzt.

Kategorien: Medien
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JAKO: “Wir haben überreagiert”

Das Miteinander in Social Media ist oft nicht so einfach, vor allem für Unternehmen, die bisher keine direkten Berührungspunkte mit Bloggern und Brand Evangelists in ihrem alltäglichen Geschäft hatten. Im jüngsten Medienrummel um den “Social Media PR-Gau” hat der Sportartikelherstelle “Jako” nun eingelenkt. Im neu geschaffenen Pressebereich bezieht das Unternehmen in der offiziellen Pressemitteilung Stellung:

„Wir haben ganz offensichtlich überreagiert“, erklärt Rudi Sprügel,Vorstandsvorsitzender der JAKO AG, und schafft damit alle Voraussetzungen,um die vor allem im Internet geführte Auseinandersetzung um sein Unternehmen schnell zu beenden.

Zumindest hofft das Unternehmen, damit die Wogen zu glätten, die es in der öffentlichen Wahrnehmung von heute auf morgen zu spüren bekam. Das Medienecho wird vor allem durch diese Pressemitteilung noch einmal ansteigen.

Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen“, betont Rudi Sprügel, „aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt.“

Ein Eingeständnis eines nicht optimalen Vorgehens ist immerhin ein Anfang. Natürlich kann niemand behaupten, dass alle Beteiligten aus dieser medialen Eskapade mit einer weißen Weste herausgehen. Die weiteren Aussagen der Pressemeldung sind im Kern für den Fall nicht direkt relevant, doch wir lernen hier alle, dass Social Media ein sehr machtvolles Instrument ist, mit dem Unternehmen umgehen müssen – und in Zukunft es auch erfolgreich meistern werden.

Kategorien: Public Relations, Social Media
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Social Media PR-Gau

Fallbeispiele für richtige oder falsche Maßnahmen in der Unternehmenskommunikation gibt es zu genüge. Aktuell erlebt ein Sportartikelhersteller, den ich bewusst nicht direkt hier namentlich erwähnen möchte, dessen Name jedoch im einen oder anderen Link auftauchen könnte, grade das, was sich mit den Stichwörtern “Social Media” und “PR-Gau” direkt beschreiben lässt. Binnen weniger Stunden entwickelt sich ein rechtlicher Aspekt zu einem Kommunikationsdesaster.

Die Story ist einfach gestrickt. Ein Meinungsbildner publiziert im Internet seine Meinung über das neue Logo des Sportartikelherstellers, wie es für unsereins in Social Media und in unseren Blogs übliche Praxis ist. Das Logo gefällt dem Blogger wohl nicht, diese Meinungsäußerung wird öffentlich gemacht. Der Sportartikelhersteller reagiert nach bewährter unternehmerischer Logik und versucht scheinbar die Entfernung des Blogeintrags voranzutreiben, bis wohl schließlich der letzte Ausweg ein anwaltliches Schreiben ist. Die ganze Story gibt es natürlich bei allesaussersport mit allen pikanten Details zum Nachlesen. Was jetzt passiert, kann man sich als PRler zusammenreimen.

Es wird getwittert und gebloggt wie verrückt, die Story gewinnt an Fahrt – wohl wesentlich mehr Fahrt, als dem Unternehmen lieb war. Denn jetzt interessieren sich die Massenmedien an der Geschichte. Die Medien greifen das Thema auf, und binnen kürzester Zeit liest sich die Story im Handelsblatt, bei Spiegel Online, bei heise online, und der geschäftige Aggregationsdienst Rivva listet genügend Treffer für den Namen des Unternehmens auf. Selbst von manchen Vereinen, vielmehr von ihren Fans, kommen Unkenrufe, man solle sich genau überlegen, wieviel Geld man für die Fanartikel seines Lieblingssportvereins ausgeben möchte, die von dem Sportartikelhersteller stammen.

Der Social Media PR-Gau könnte sich zu einem Umsatz-Problem entwickeln. In diesem Moment hat die Konfrontation aufgrund des rechtlichen Interessenskonfliktes in meinen Augen nur geschadet. Ich würde mich dafür ohrfeigen, dass aus einer so kleinen Publikation ein Medienrummel dieses Ausmaßes entsteht. Keine PR-Abteilung? Kein Spezialist für Social Media? Ein erneutes Lehrbeispiel für die Ohnmacht von Unternehmen, die sich mit der digitalen Bohéme und der Netz-Avantgarde anlegen wollen. Hoffentlich können wir mit dem zur dmexco erscheinenden Social Media Kompass einen wertvollen Beitrag dazu leisten, sowohl das Netzpublikum als auch Unternehmen vor sich selbst zu schützen.

Kategorien: Public Relations, Social Media
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Die neue Standardlektüre: Social Media Kompass

Social Media beflügelt die Massen und entwickelt sich von einem Buzzword zu einer eigenen Medienform. In nur wenigen Wochen wird die Online-Werbebranche auf der dmexco in Köln ihre neuesten Produkte und Vermarktungsoptionen präsentieren, ein Schwerpunkt wird auch Social Media bilden. Auch übergreifend muss sich, meiner Meinung nach außerhalb von Bloggern und Nutzern, für die neue Medienform Social Media eingesetzt werden. Noch kennen zu wenige Entscheider sich mit “Web 2.0″ und Social Media aus. In Kürze wird ihnen praktisch geholfen, um direkte Erfolge und einen positiven ROI aus dem Social Media Umfeld zu ziehen.

Der Arbeitskreis Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) veröffentlicht pünktlich zur dmexco den “Social Media Kompass”. Dieser neue Leitfaden wird insbesondere für diejenigen, die sich täglich in Social Media bewegen und über Blogs, Twitter oder Facebook austauschen, als das „Einmaleins“ verstanden werden. Ob Digital Natives oder Brand Evangelists, wir kennen uns mittlerweile sehr gut mit Social Media aus.

Für die vornehmliche Zielgruppe derjenigen, die sich über Social Media erstmalig und nachhaltig informieren wollen und für ihre tägliche Arbeit eine umfassende Lektüre zum regelmäßigen Nachschlagen brauchen, wird der „Social Media Kompass“ zu einer Standardlektüre werden.

Die Wirtschaft in kann vor allem durch diese Aufklärungsarbeit durch den Zusammenschluss im Verband und die zahlreichen Praxisbeispiele zu PR, Marketing, Kommunikation und Werbung profitieren. Persönlich freut es mich daher sehr, an dieser Publikation als Verfasser über meinen Arbeitgeber sevenload mitgewirkt zu haben. Man darf also auf die Veröffentlichung zur dmexco gespannt sein!

Kategorien: Marketing, Public Relations, Social Media
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Social Media: Kunden sind an der Macht

Social Media – das Wort in aller Munde. Man kennt es langsam, dass Twitter, Blogs und Facebook sehr häufig genutzte Plattformen zur Publikation sind. Doch obwohl Unternehmen immer stärker auf diese Medienform setzen wollen, sind sich manche noch nicht ganz sicher, ob Social Media wirklich weiterhilft. Laut der jüngsten Studienergebnisse des “Social Media Company Monitors 2009” ist zumindest Deutschland auf dem besten Weg, diese neue Medienform vorerst zu ignorieren, denn viele Entscheider und die Chef-Etage bemühen sich wenig, ihre Kenntnisse in diesem neuen Segment zu profilieren.

  • 15% der Unternehmen steigern heute den Umsatz durch Einsatz von Social Media.
  • 51% der Unternehmen planen auch in Zukunft keinen Einsatz von Social Media.
  • 75% der Unternehmen haben kein Blog, 12 % wissen nicht, was ein Blog ist.
  • 40% der Entscheider haben kein Community Profil.

Meiner Meinung nach ist dies ein fataler Fehler. Besonders sollte die Macht von Social Media nicht unterschätzt werden. Im schlimmsten Fall führt die Ignoranz von Social Media zu einem totalen Versagen der Kommunikation. Selbst der Konsumgüter-Handel ist davon nicht befreit. Ein aktuelles Beispiel wie im Fall “dooce vs. MAYTAG” zeigt eindrucksvoll, dass Social Media nicht von Unternehmen ignoriert werden darf. Hier versagte eine neue Waschmaschine nach wenigen Tagen, der Hersteller konnte sich nicht zu einer Auswechslung und nur schleppenden Reparaturen durchringen, bis der Fall durch die Betroffene bei Twitter an über 1 Million Follower publik gemacht wurde.

Als erste Reaktionen boten konkurrierende Hersteller wie Bosch sogar ihre Produkte als Geschenk an, bis sich der Mutterkonzern WhirlpoolCorp auf höchster Managementebene öffentlich zu dem Kommunikationsversagen und den Mangel an Servicequalität äußerte – und Besserung gelobte. Man möchte sich noch an die alte Story “Dell Hell” von Jeff Jarvis erinnern.

Von den unzähligen Blogeinträgen, Kommentaren, Tweets und Diskussionsforen innerhalb Social Media beeinflussen jedoch nur wenige die Nutzer so nachhaltig und generieren einen entsprechenden PR-Gau für ein Unternehmen. In Hinblick auf die Studienergebnisse bezogen auf die deutsche Wirtschaft sollten sich alle Unternehmen bei diesem anschaulichen Beispiel fragen, ob ein “Nein” und “Später” zu Social Media vielleicht die falsche Aussage ist. Die Zeit dafür ist längst vorbei: Eure Kunden sind an der Macht.

Kategorien: Microblogging, Public Relations, Social Media
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