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McDonalds wird grün – nur nicht ganz grün?

Blutig, saftig, fleischig, lecker – und umweltbewusst? Niemand geringeres als die Fastfood-Kette “McDonalds” kündigt heute die Veränderung seiner Farbgebung an. Die so genannten “Golden Archers” bleiben erhalten. Doch zukünftig verabschiedet man sich von dem prägnanten Rot, dafür soll Grün eine dominante Farbe für die Fastfood-Restaurants werden. Diese Meldung machte heute schon sehr früh die Runde, als die Financial Times einen Artikel dazu veröffentlichte.

Schnell kam das Lauffeuer bei Twitter auf. Der Burgerriese McDonalds wird grün. Das Logo wird verändert? Ein solcher Sprungwechsel, ein Bekenntnis für die Umwelt und ein wenig mehr Nachhaltigkeit, irritiert die Massen und beflügelt sie zugleich. Doch es ist nicht das eigentliche Logo, das im Zuge der Neupositionierung der Marke verändert wird, sondern das äußere Erscheinungsbild der Fastfood-Restaurants. Einzig und allein deutet die Überschrift des FTD-Artikels auf ein neues Logo, inhaltlich dreht sich aber im Text alles um die Gebäudefassade. Anstatt das Logo auf einem quietschgrünen Hintergrund einzusetzen, wie Michael Friedrichs es für seinen Artikel Green Fastfood eigenhändisch entworfen hat, wird die Restaurantkette McDonalds also nur den Anstrich anpassen – und ein wenig mehr grüne Farbe und vielleicht noch ein paar Pflanzen im Innenraum platzieren. Oder vielleicht doch eine grundlegende Veränderung? Der Fotobeweis kommt von @heiko – was für ein Spiel mit den Nerven, der Burgerriese wirkt so grün!

mcd green

Wer also hofft, dass sich das Traditionsunternehmen aus USA gänzlich vom Rot verabschieden wird, muss vielleicht doch nicht enttäuscht werden. Aber das McDonalds-Logo selbst ist seit geraumer Zeit freigestellt und nicht mehr an einen roten Hintergrund gebunden. Ob sich die grüne Optik der Restaurants auf die Markentreue der Kunden auswirkt, bleibt wirklich abzuwarten. Immerhin hat die alte Weisheit hier noch bestand: Wenn eine Marke sich von einem Logo verabschiedet oder gravierende Änderungen an seinem Markenauftritt vornimmt, kommt über kurz oder lang in die Presse. Bei globalen Marken ist dieser Weg der PR immer ein sicheres Mittel, um genügend öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit zu generieren.

Wichtig zu guter Letzt ist aber immer noch der gesunde Menschenverstand. Trotz aller Völlerei, auch vor der Weihnachtszeit, sollte der Konsum von Fastfood nur eingeschränkt stattfinden und nicht den Hauptbestandteil der täglichen Ernährung bilden. Darauf einen Burger!? :)

Kategorien: Marketing, Public Relations
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Interview mit Ibrahim Evsan: “3 Days to Market” und Tagesthema.de

Man nehme eine zündende Idee, hole sich den einen oder anderen kreativen Kopf und fähigen Entwickler, stecke dann für einige Tage die Köpfe zusammen und heraus kommt “Tagesthema.de“. Ibrahim Evsan, Gründer von sevenload, gab heute in Twitter bekannt, dass er mit einem sehr kleinen Team und überaus wenig Aufwand den neuen Nachrichten-Aggregator für deutsche Medien erstellt hat.

Die Umsetzung von Tagesthema.de zeichnete Ibo zusammen mit Andreas Cappel, Sebastian Herp und Andreas Weiß verantwortlich. In seinem aktuellen Bericht “3 Days to Market” erläutert er im Detail, dass wir Deutsche vor allem Innovationsmanagement betreiben müssen. Und nicht zuletzt sollen damit Ideen in einer sehr kurzen Zeitspanne zur ersten Marktreife gebracht werden. Durch den Start von “Tagesthema.de” konnte Ibo seine Theorie kurzerhand direkt unter Beweis stellen – warum auch nicht?

Doch dieser spontane, schnelle Weg zur Realisierung eines Projektes ist durchaus für Unternehmen eine Chance, um sich am Markt zu behaupten und schnell zu reagieren. Natürlich nur, sofern das Unternehmen auch in seine Mitarbeiter, die eigentlichen kreativen Köpfe, ein hohes Maß an Vertrauen schenkt. Von der Idee in drei Tagen zum Ziel – persönlich fand ich dieses Thema äußerst spannend, insbesondere weil Twitter sehr stark in diesen Social News Aggregator integriert ist, so dass ich Ibo direkt zu einem spontanen Interview bewegen konnte.

Als Gründer und Unternehmer von sevenload hast Du Dir in Deutschland und Europa einen Namen gemacht. Der Markt erwartet bereits Dein neues Social Gaming Startup. Heute überraschst Du mit Tagesthema.de – was erwartet die Nutzer?

Ibrahim Evsan: Tagesthema ist ein individueller Nachrichten-Aggregator, bei dem sich die Informationen nahezu in Echtzeit aktualisieren. Die ursprüngliche Idee für Tagesthema war eigentlich, dass ich direkt meinen Blogeintrag “3 Days to Market” beweisen wollte. Dafür brauchte ich ein aktuelles Projekt, das sich in einem so kurzen Zeitraum zur Veröffentlichung realisieren lässt. Mehr ist es eigentlich nicht. Nun wird Andreas Cappell das Projekt als Nachrichten-Aggregationsplattform technisch und konzeptionell weiterführen.

In deinem Blog erläuterst Du die Hintergründe der schnellen Entwicklung innerhalb von nur drei Tagen von Tagesthema.de. Was war die größte Herausforderung?

Ibrahim Evsan: Keine. Das Tolle daran war: Wir haben einfach gemacht und schau her. Ready to go unter dem Motto ‘keep it simple, keep it short’. Wir wollten mit Tagesthema beweisen, dass wir in weniger als einer Woche ein neues Projekt auf die Beine stellen können, das natürlich am Markt angenommen wird und auch künftig den Nutzern einen Mehrwert bieten kann. Diese Entwicklung und die Idee – als Projekt ist dies auch eine Form von Innovationsmanagement.

Wie definierst Du den eigentlichen USP des Portals?

Ibrahim Evsan: Wir kombinieren Twitter-Feeds mit RSS und zeigen die Stimmen der Menschen. Meinungsbildung ist ein Schlüsselfaktor in der Medienwelt. Die Nutzer sind heute mündig genug, ihre eigene Meinung zu bilden und zu veröffentlichen. Wir kombinieren diese Meinungsvielfalt mit dem journalistischen Informationswert der Nachrichten. Weiterhin kann man seine eigenen Tagesthemen anpassen, sobald man sich über die Schnittstelle von Twitter bei Tagesthema.de anmeldet. Die Ideen, wie wir das System weiter entwickeln, hängt nun von den Nutzern ab. Wir wollen gerne, dass sie uns mitteilen, was sie gut finden. Dann werden wir genau das für sie umsetzen.

Brauchen die Nutzer einen weiteren Dienst neben Google News, Nachrichten.de und Rivva?

Ibrahim Evsan: Keine Ahnung. Das entscheidet der Nutzer. Jeder Dienst hat seine Daseinsberechtigung und für einzelne Nutzer ergeben sich hier und da immer individuelle Vorteile oder Nachteile gegenüber anderen Anbietern.

Können Nutzer bei Tagesthema die dargestellten Informationen personalisieren?

Ibrahim Evsan: Ja, jetzt schon, indem sie sich einfach anmelden und Tagesthema für sich anpassen. Die Anpassungsfähigkeit werden wir in den nächsten Wochen erweitern, denn noch befindet sich Tagesthema nach nur drei Tagen Entwicklungszeit in einer frühen öffentlichen Beta-Version.

Man erkennt bereits erste Werbebanner über Google AdSense. Soll Tagesthema sich durch Werbung allein refinanzieren?

Ibrahim Evsan: Genau. Was danach kommt, war für dieses Projekt und in der kurzen Zeit zwischen Idee und Launch im Sinne des „3 Days to Market“-Prinzips noch nicht planbar. Es wäre aber sehr gut, wenn wir damit beweisen, dass sich dieses Projekt auch rechnet. Wir werden die Entwicklung beobachten und schauen, ob wir sehr bald für gezieltere Nachrichten mit passenden Werbeinhalten entsprechendes Datenmaterial dazu erheben können. Natürlich nur, sofern der Nutzer dem zustimmt.

Verleger fordern ein Leistungsschutzrecht für ihre Nachrichteninhalte. Kommt Tagesthema dem nach, suchst Du den Konsens mit den Verlegern und beteiligst Sie anteilig an den Werbeerlösen?

Ibrahim Evsan: Das wäre wirklich innovativ. Doch lassen wir Tagesthema sich vorerst ein wenig weiter entwickeln. Wir können uns eine Beteiligung an den Werbeerlösen natürlich auch vorstellen, genauso wie wir die Idee verfolgen, das gesamte System als Open Source Lösung anzubieten. Dann haben alle was davon und jeder kann sich einen eigenen Nachrichten-Aggregator erstellen und für seine persönlichen Zwecke anpassen. Schließlich leben wir in einer Welt, die von Informationen und Wissen dominiert wird. Es ist nichts einfacher als so seine besten Quellen zusammenzuführen, dass man jederzeit einen individualisierten Überblick über die Nachrichten hat. Also den schnellen Blick auf das Tagesthema.

Vielen Dank für das Interview!

Hinweis: Das Interview führten Ibo und ich spontan und aus freien Stücken heraus. Dass Ibo jenes Unternehmen gegründet hat, bei dem ich seit über drei Jahren arbeite, trug beeinflusste selbstverständlich nicht das Interview. Diese Tatsache sei für den geneigten Leser nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Kategorien: Medien, Social Media
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Welt Kompakt – eine deutsche Kampfansage gegen das Zeitungssterben?

Gut zwei Wochen ist es her, seitdem die Welt Kompakt einem Relaunch unterzogen wurde. Nicht nur der klassische Print-Titel konnte sich der inhaltlichen Erweiterung und Umgestaltung der Themenschwerpunkte freuen, vor allem profitierte die deutsche Verlagsbranche von diesem kühnen Stunt des Axel Springer Verlags. Wer hätte es bis vor kurzem überhaupt für möglich empfunden, dass eine gedruckte Zeitung die Freigeister der Netzkultur und Protagonisten der Social Media, der Digitalen Clique so begeistern konnte?

Das schaffte die Zeitung, indem sie sich so intensiv wie im Print nur möglich mit dem Internet und Social Media auseinander setzt. Dabei wird nicht nur ein eigenes Ressort zu dem Thema auf einer Doppelseite ablichtet. Vielmehr findet eine Vollintegration von einer jederzeit bei Facebook und Twitter ansprechbaren Redaktion auf die Beine statt. Dieser Mut, etwas Neues zu probieren und sich trotz einiger Kritiker durchzusetzen, verdient Respekt und Anerkennung.

Auf einmal standen Promoter an den Ecken, die die Welt Kompakt verteilten. Im Flieger nach Berlin wurde sie mir bereitwillig ausgehändigt. Unzählige Plakate mit verschiedenen Motiven zum Nachdenken finden sich als Teil dieser breit angelegten Kampagne auch in Köln und vielen anderen Städten wieder. Auch der Besitzer vom kleinen Tabakladen in Ehrenfeld schwärmt von der Welt Kompakt und händigt sie mir schon fröhlich jeden Tag aus – und weist mich darauf hin, dass die doch am Vormittag gerne schnell vergriffen ist. Wieso zum Teufel hat man seit zwei Wochen nur die Welt Kompakt im Kopf?!

Vielleicht deswegen, weil es ein einzigartiger und neuer Ansatz ist, um der Medienwelt in Deutschland mehr Leben einzuhauchen. Viele deutsche Verleger lamentieren seit einiger Zeit öffentlichkeitswirksam über die düstere Zukunft ihres Metiers. Sie haben oft die zukünftigen Trends verschlafen oder erst viel zu spät reagiert. Man denke nur an das Abwandern der Anzeigenkunden mit ganzen Etats nur in den Online-Werbemarkt, oder das Versagen vom Print im aussichtslosen Kampf gegen den Tod der regionalen und lokalen Kleinanzeigenmärkte. Und die Verleger verlangen jetzt mit endlosen Plädoyers nach der Einführung von Leistungsschutzrechten für ihre journalistischen Erzeugnisse. Im Internet muss guter Journalismus mit fundierten Recherchen, tiefgründigen Inhalten und objektiv qualitativen Aussagen geschützt werden. Keine Frage, dahinter stehe ich immer mit einem Bein. Doch mit dem anderen Bein stehe ich weit weg auf der anderen Seite. Denn wer seinen durchaus für den Nutzer kostenfreien Online-Content, der sich ja bereits seit Jahrzehnten mit Werbung refinanziert, am liebsten über Paid-Content als Geschäftsmodell zur Monetarisierung des journalistischen Produkts refinanzieren möchte, und dann auch noch an staatliche Unterstützung denkt, der hat nicht verstanden, dass der Nutzer längst die Macht in den Händen hält.

Wir definieren durch unser Interesse und unsere Nachfrage genau die Inhalte, die wir von den einstigen Gatekeepern in journalistischer Aufbereitung zu lesen bekommen. Und die Meinung bilden mittlerweile einzelne Leuchttürme im Netz, die eigenständige Individuen und keine ganzen Redaktionen sind. Wir bilden doch unsere Meinung jeden Tag, ein redaktionell geführtes Medium versucht sich so nah an der idealen Meinungsbildung für die Masse heranzuwagen, wie nur möglich ist. Der einzelne Leser hat keinen direkten Einfluss auf das Produkt, was ihn am nächsten Morgen erwartet. Leserbriefe gab es ja schon immer, doch wie ist die nächste Stufe? Der Leserreporter oder der Bürgerjournalist? Ohne zu viel Kompetenz aufzugeben, muss ein Verlag umdenken und neue Strukturen zur Kommunikation auf Augenhöhe mit seinen Lesern etablieren. Was liegt also näher, als den Nutzer, den Leser, den Hörer, den Zuschauer, den Prosumenten als Individualisten in das klassische Produkt zu integrieren?

Ein logischer Schluss, der meiner Meinung nach bei der Welt Kompakt sehr erfolgreich umgesetzt wurde. Was habe ich mich gefreut wie ein Schneekönig, als ich einmal mit meinem Kommentar über Twitter und ein weiteres Mal über Facebook den Weg in die gedruckte Welt Kompakt fand? Mein Bedürfnis der Anerkennung als Leser wurde endlich von einer Redaktion befriedigt, indem ich nicht nur als fremde Meinung eines Leserbriefs dargestellt wurde, sondern als integrierter Bestandteil auf zumindest der thematischen Doppelseite zu Internet und Social Media meinen Namen fand.

Auch ist das Engagement vieler Redakteure und Journalisten der Welt Kompakt bei Twitter sehr reizvoll. Nicht jeder von ihnen nutzt Microblogging regelmäßig, doch man findet Kontakt und Dialog mit ihnen. Etwas, was nicht nur den PRler in mir freut, sondern mich einfach begeistert. Viele andere Journalisten in Deutschland, wenn wir mal die urtypischen Köpfe der Bloggerszene und diejenigen aus dem Bauch von Social Media heraus ignorieren, verstehen noch nicht einmal, dass der Dialog mit den Lesern auch außerhalb des eigenen Blattes stattfinden kann. Wow, was also will man mehr?

Eigentlich alles. Da reicht die Welt Kompakt einem den kleinen Finger, und man möchte gleich den ganzen Arm vor Begeisterung abreißen. Ja, am liebsten würde ich selbst einen meiner Artikel, sofern sie auch einen thematischen Bezug zum Blatt oder inhaltlichen Nutzwert für den typischen Leser bieten, in der Welt Kompakt wiederfinden. Nicht als einfache Kopie meines gebloggten Wortes, sondern als legitimierter Gastautor vielleicht. Oder als lokaler Berichterstatter für den neuen Lokalteil über Köln agieren. Im Prinzip möchte man als Leser doch das realisieren, wodurch einen die digitalen Bürgerzeitungen im Netz bereits im Ansatz befähigte, nur in Form einer übersprungenen Barriere zwischen digitaler Kluft und gedrucktem Wort. Traumvorstellung? Wenn die Welt Kompakt, zumindest wie Thomas Knüwer es schrieb, auch Blogartikel abdruckt (hoffentlich nur nach Nachfrage und lizenzrechtlicher Genehmigung), wäre das doch mal ein interessanter Aspekt.

Fast zwei Wochen brauchte ich, um mir meine Gedanken zu dem Neustart der Welt Kompakt zusammen zu reimen. Nebenbei vergaß ich auch das Bloggen, denn ich las sehr gerne die gedruckten Artikel, was auch meine private Freizeit limitierte. Das Thema wurde bereits sehr oft auf Twitter, in zahlreichen Blogs und in diversen Fachmagazinen der Medienbranche breit getreten. Bringt es also heute noch, eine Blattkritik zu dem Thema zu veröffentlichen? Ohne das Kauderwelsch von vielen Kollegen zu wiederholen: Ja, man kann es sich erlauben, dazu etwas zu schreiben. Ich bin stolz auf das Produkt, was ich jeden Morgen in Händen halten darf. Als reger Leser, der selbst seine Wurzeln in der Zeitungslandschaft sieht, habe ich seit dem Relaunch der Welt Kompakt wieder unglaublichen Gefallen an der Tagespresse gefunden, nachdem ich für fast fünf Jahre keinen Pfennig, ja keinen Cent, für die morgendliche Zeitungslektüre ausgab. Hut ab für das Wagnis, dem totgesagten Print neues Leben einzuhauchen und so intensiv die digitalen Kommunikationsmittel von Twitter, Facebook, Blogs und den Zeitgeist von Social Media in eine gedruckte Publikation zu integrieren. Das darf ich begeistert behaupten – und nein, von der Redaktion wurde ich nicht für diesen Artikel geschmiert. :)

Kategorien: Medien, Social Media
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Was darf man von PR-Agenturen erwarten?

Wir leben alle in den Zeiten des Umbruchs. Auch die PR-Branche leistet sich die eine oder andere Schote, so dass sie manchmal nicht besser positioniert ist, als wenn große Print-Verlagshäuser nach einem Leistungsschutzrecht für deren Online-Inhalte lamentieren. Was mir persönlich immer noch sehr stark in der PR-Branche fehlt, ist der Dienstleistungscharakter auf Basis von Erfolgen. Honorierte Erfolge sind das Schlüsselwort für die kommenden Jahre.

Im Prinzip darf man von einer PR-Agentur, die als Dienstleister fungiert, nahezu alles erwarten. Einsatz, Engagement – natürlich nur, solange auch das Geld stimmt. Der Klassiker ist dafür der Branchenliebling – unser geschätzter Retainer! Möglichst hoch und am liebsten 5.000 Euro oder mehr im Monat für die einfache Pressearbeit. Alles muss sich ja für den hohen Einsatz und die Manpower lohnen, denn schließlich schreibt ein namensloser Praktikant, ein unterbezahlter Junior überprüft und der hochdekorierte Senior kommuniziert im Namen der PR-Agentur für den Kunden. Die Kontakte zu Journalisten mit Schlüsselfunktionen als Kommunikatoren sind dabei sogar noch eingefleischte Vertraute des Chefs – und die werden im Idealfall nicht an den Kunden vermittelt. Ok, das ist ein ganz gruseliges Szenario. Doch es soll das immer noch geben, und ohne Namen zu nennen oder jemanden an den Pranger zu stellen – ich weiß, ihr lest mit. :)

Um diesem kleinen Teufelskreis zu entkommen bedarf es eigentlich nur wenig. Was mir ganz ehrlich bei so vielen PR-Agenturen und PR-Beratern fehlt, ist eine kalkulierbare Erfolgskomponente – quasi als Grundlage für jeden Vertrag zur PR-Arbeit. Gepaart mit einem Splitting für den Retainer, damit von den 5.000 Euro gerne für die PR-Agentur erstmal 1.000 Euro gesichert sind, und die restlichen 4.000 Euro als eben jene kalkuliarbare Erfolgskomponente den Ansporn geben, sich für den Kunden mit Herzblut ins Zeug zu hängen. Klingt für die PR-Agentur oder den PR-Berater zwar hart, ist aber sehr fair für den Kunden. Denn als Kunde, wenn man ein Unternehmen als Pressesprecher oder PR-Abteilung aktiv vertritt, ist man schließlich auch mit sehr viel Herzblut in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Zumindest sollte man das erwarten – und das kann man auch. Doch wie zahlt sich die Erfolgskomponente in Hinsicht auf eine “Veröffentlichung” aus? Gewiss ist das Verhandlungssache, aber wenn man einen durch die PR-Arbeit erzeugten Pressebericht sachlich durchleuchtet, lässt sich ziemlich direkt eine Honorierung ableiten – hier einige Denkansätze:

Der Weg zur Honorierung
Fallbeispiel Artikel: Hier platziert eine PR-Agentur einen inhaltlich guten Artikel. Den vollen Preis einer erfolgsbasierten Honorarausschüttung erzielt die PR-Agentur demnach mit eben jenem Artikel, der zu 100% über ein Unternehmen berichtet oder eine Marke thematisiert. Stellen wir uns eine ganze Seite in einer Fachpublikation, die dem Medium gerecht wird, dazu einfach vor. Was wäre besser, als mit der Faust den Nagel gezielt einzurammen?

Voller Preis für volle Leistung?
Natürlich sind damit nicht obige 4.000 Euro als verbleibende Restsumme vom Retainer sofort fällig, sondern dabei nur ein gewisser Anteil vom Kuchen. Wie hoch dieser wäre, ist reine Erfahrungssache gespickt mit Verhandlungsgeschick. Vielleicht 500 Euro für eine 1/1 Seite bei 100% Berichterstattung als erfolgsabhängiger Bonus? Doch wenn nur knapp 10% des Artikel den eigentlichen Anteil über das Unternehmen ausmachen, sind damit auch die 500 Euro an Prämie fällig? Wohl kaum, aber zumindest einen Anteil davon dürfte die PR-Agentur einstreichen. Von den 500 Euro, weil es sich so schön rechnet, kämen entweder exakte prozentuale Anteile oder eine Staffelung nach Dritteln zu tragen. Dieser Ansatz hört sich recht plausibel an. Aber es geht ja noch weiter, wenn man die Erfolgshonorierung weiter spinnen darf

Namensnennung in Artikeln
Doch gerade bei diesen einfachen Nennungen wird es haarig im Detail. Wann besitzt der Artikel die zahlungsfähige Relevanz? Nur bei einer einfachen Auflistung der Marktunternehmen? Wohl kaum, denn Auflistungen von Unternehmensnamen erfolgen eher durch die objektive Grundeinstellung in der Berichterstattung eines guten Journalisten.

Content-Recycling = Auszahlung?
Stellen wir uns jetzt vor, ein klassischer Printartikel oder eine Fachpublikation wird online abgebildet. Content-Recycling für die so genannte “Generation Kostenlos” oder als Hinweis auf die abonnierbare bzw. einzukaufende Printpublikation. Muss dafür dann die Erfolgshonorierung ebenfalls 1:1 erfolgen, so dass mit einem Artikel durch die verschiedenen Ebenen Print und Online gleich doppelt abgerechnet werden kann? Igitt, wie beschämend. Dann müsste man sich das eine oder andere Mal gewiss in die Schreibhand beißen, wenn eine von den Dienstleistern, den PR-Agenturen oder PR-Beratern, verschickten Pressemeldungen als originaltreue Kopie in verschiedenen Presseportalen auftaucht. Wäre solch eine Kopie-Honorierung gängig, könnten unglückseelige Missetäter ihr Machwerk damit treiben, die zu kopierende Pressemeldung möglichst breit zu streuen und auf eine maximale Auslastung in allen kostenlosen PR-Portalen hoffen. Pfui wie schändlich, es sollte klar sein, dass cut-copy-paste für Pressetexte nicht honorierbaren Leistungen entsprechen dürfen.

Honorierung für Misserfolge?
Egal was passiert, immer geht etwas schief. In purer Anlehnung an Murphy’s Gesetz muss ich feststellen, dass die PR-Arbeit mit allen Facetten nur voller Fehler strotzt. Für Dienstleister muss ein Sonderkündigungsrecht gelten, denn sobald von Seiten einer PR-Agentur echter Bockmist angestellt wird, durch falsche Aussagen das Geschäftsmodell torpediert wird, der Aktienkurs ins Bodenlose rutscht oder der Geschäftsführer mit einem Herzkasper ins Krankenhaus eingeliefert wird – na, da will man ja auch nicht weiter sich von der PR-Agentur vertreten lassen. Den Dolchstoß sollte man nicht unbedingt provozieren, aber dafür gibt es auch wieder die Anwälte, die das alles gegen gewisse Kostennoten regeln.

Das PR-Maximum
Bei all der erfolgsbasierten Honorierung darf man nicht vergessen, dass auch irgendwann Schluss ist. Wie oben bereits erwähnt, ist der Erfolg am maximalen Retainer zu messen. Für die PR-Agentur wunderbar, für den Kunden auch. Die einen haben einen relativ gesicherten Umsatz, die anderen eine kalkulierbare Kostengrenze. Dennoch darf auch das PR-Maximum für den Retainer mit Erfolgskomponente nicht den sofortigen Stopp jeglicher Kommunikationsarbeit der Dienstleister bedeuten. Wenn der Retainer schon am fünften Tag im Monat ausgereizt ist, sollte der ganze Monat umso schwungvoller und euphorischer mit neuen Leistungen angegangen werden, denn der Kunde ist doch der König – auch in der PR.

Insgesamt suche ich immer noch nach dieser Wunschvorstellung einer erfolgsbasierten Honorierung auf Seiten der PR-Agenturen (und PR-Berater), die sich nicht nur schmackhaft anhört, sondern auch nachhaltig den Kunden als Unternehmen voranbringt – und dem PRler auf Unternehmensseite die Zusammenarbeit mit der Agentur erleichtert. Ist dies realistisch oder vielleicht ein übertriebenes Happy-Wonderland? Vielleicht diskutieren die einen oder anderen PRler hier ja mit. :)

Nachtrag: Thomas vom Textberater.com gab mir mit seiner Replik den Denkanstoß, dass dieser Artikel vor allem die Ausgangssituation betrachtet, in der sich kleine Unternehmen und insbesondere Startups befinden. Dort fehlt oft am Anfang das Geld. Hohe Retainer mit möglicherweise wenig Output in den ersten Monaten sind für zumeist noch unbekannte Startups ein hohes Kostenrisiko. Aber auch das kleine Unternehmen, was sich in die Öffentlichkeit wagt, braucht einen kalkulierbaren Rückhalt, um sich gemeinsam mit einer PR-Agentur oder einem PR-Berater zusammen zu finden und auf Dauer eine nachhaltige Kommunikationsstrategie zu entwickeln.

Auch die im Kommentar genannten Punkte von Bernhard Müller sprechen für sich. Ein Risikozuschlag für die tägliche Arbeit ist für die Dienstleistung selbstverständlich hilfreich, um von Seiten einer Agentur das Kundenverhältnis und seinen Wunsch nach Öffentlichkeit bestmöglich in Szene zu setzen. Am Ende ist die Wahl der PR-Agentur immer schwer – und je intensiver die Beziehung zwischen PR-Agentur bzw. PR-Berater und Unternehmen ist, desto fruchtbarer werden die Ergebnisse sein.

Kategorien: Public Relations
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