Veröffentlicht von Mike Schnoor am 13.03.2010 um 10:52 Uhr.
Das ist fett! So derbe! Richtig hart! Ich bin das erste Mal seit Jahren wieder davon überzeugt, dass Deutschland eine kleine Chance beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo hat. Keine gecasteten Kandidaten mit emotional beflügelten Hintergründen und träumerischen Superstar-Ambitionen. Keine endlos in den Medien durchproduzierten Alt-Stars, die auf ein letztes Flackern am Firmament hoffen. Keine Querelen mit Produzenten und ihren besiegelten Songs, die auch eigentlich niemand hören möchte. Es geht um keinen Grandprix de la Eurovision Chanson mehr, sondern um den Eurovision Song Contest. Deutschland findet sich endlich selbst wieder und bringt mit Lena Meyer-Landrut eine vollkommen unbekannte, aber außergewöhnliche Sängerin an den Start.
Lena ist anders, aber dennoch authentisch, wie man nur sein kann. Sie ist ganze 18 Jahre jung, das Singen liegt ihr im Blut und die Kritik der wechselnden Jury von “Unser Star für Oslo” war nahezu immer positiv. In zeitnahen Online-Umfragen zum gestrigen Finale triumphierte sie gegen ihre letzte Kontrahentin. Selbst die Medien, die sonst immer sich die Mäuler über Show-Kandidaten zerreißen können, berichten über die herausragende Sängerin durchweg in guter Tonalität. Was will man mehr?
Lena zog souverän durch die ersten Runden und sang sich auf ihre eigene Art direkt ins Finale. Nach ihren bisherigen Auftritten in der Show beurteilt ist diese Sängerin auch ziemlich durchgedreht, was für sie sogar eine echte Chance auf dem internationalen Parkett bedeuten kann. Songs die keiner durch eine Massenabfertigung der Plattenindustrie kannte und eine individuelle Performance, mit der Lena zeigte, dass sie die gesungenen Texte auch ausleben kann – so wirbelte die junge Dame mit unglaublichem Erfolg durch die gemeinschaftlich von ProSieben und ARD/NDR ausgestrahlten Sendungen von “Unser Star für Oslo”.
Insgesamt hatten sich mehr als 4500 Menschen für das Casting beworben. Im Vergleich zu anderen Casting-Shows, bei denen die Kandidaten mit knallharten Verträgen an der kurzen Leine gehalten werden, mag dies recht wenig sein. Auch die Tatsache, dass nur 20 Kandidaten über sechs Wochen hinweg ihren Weg ins Finale bestreiten konnten, wirkt positiv, weil die Kandidaten als Sänger und nicht als Spiegel der Gesellschaft respektive der gewünschten Zuschauerschaft präsentiert wurden. Zwar gilt diese neue Show allgemein als eine Art Streichelzoo der Fernsehbranche, weil einfach keine negative und harte Kritik aus den Mündern der Jury zu hören war. Hier gab es kein “Erniedrigungs-TV” im Löwenkäfig. Schließlich betonte der Jury-Präsident Stefan Raab in den ersten Shows immer wieder, dass dieses Konzept der Talentsuche sich um Musik und Talent, also die Qualität des deutschen Vertreters beim Eurovision Song Contest, drehen sollte. Doch braucht man das heutzutage noch wirklich betonen, seitdem andere Casting-Shows sich nur auf die emotional angeschlagenen Kandidaten und das daraus zu ziehende Schlammschlacht-Potential konzentrieren?
Als mündiger Zuschauer, der sich nicht wirklich auf Sendeformate interessiert, die nur der Quotenlüge zur Liebe erstellt sind, sehne ich mich nach Authentizität und Glaubwürdigkeit der Show und der Kandidaten. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in denen solche Formate die Fernsehlandschaft noch prägten. Das Konzept von “Unser Star für Oslo” vermittelt ein Gefühl von Sehnsucht, Heimat und Nähe auf musikalischer Ebene. Im Prinzip so ähnlich wie Social Media uns lehrt, dass wir als Nutzer und Kunden genau diesen Anspruch von Unternehmen und Medien erwarten, so begehren wir dieses Mindestmaß auch von Fernsehsendungen, die zu unserer Unterhaltung dienen. Lieber auf diese Art und Weise, als ein durch den Kakao gezogenes Format mit Comedy-Aspekten aus den letzten Jahren. Eurovision bedeutet internationalen Starruhm. Das wollen wir, das brauchen wir, der Eurovision Song Contest gehört ganz ur-basis-demokratisch dem Volk. Hoffentlich dürfen wir einen Erfolg in Oslo erleben.
Was mir persönlich sehr gefiel war die konsequente Miteinbeziehung von Social Media in der gesamten Zeit von “Unser Star für Oslo”. So twitterte die @tvtotal-Redaktion und tauschte sich mit den Fans während der Sendung aus, die Website zeigt alle Videos der Shows und die Fanbase von Lena Meyer-Landrut bei Facebook bricht heute wahrscheinlich die 20.000er Marke. Andere Showformate des deutschen Fernsehens schaffen und können es wohl nicht, ihre bisherigen Kommunikationswege in der Form aufzubrechen. Vielleicht nehmen sich andere Produzenten daran ein Beispiel, denn ohne zeitgemäßes Kudos an die Fans wird man auf Dauer nicht in den Medien auch nur eine Chance haben.
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 03.02.2010 um 09:33 Uhr.
Die von vielen deutschen Bürgern geschätzte Gebühreneinzugszentrale (GEZ) möchte sich ihren Bürgern öffnen. Im Jahre 2010 nimmt das Ganze endlich Formen an. Die GEZ präsentiert sich bürgernah mit einem eigenen Online-Portal, dass sogar eine eigene Community mit Forum beinhaltet. Der geneigte Gebührenzahler möchte sich gewiss selbst mit eigenen Augen ein Bild davon machen – unter www.gez-meine-meinung.de darf man jetzt seine Meinung äußern.
Mit neuem Logo ein neuer Markenauftritt, der sich schon fast an Social Media annähert – zumindest durch die Kommentare eines Forums und die hauseigenen Blogs ohne direkt ersichtliche Kommentarfunktion von Anja.M, Daniela.K, Conny.A, Sylvia.S und Vera.Z. Wie authentisch und transparent sich die GEZ präsentieren möchte. Keine dieser Personen, ob sie real sind oder doch nur fiktiv, finden sich bei der Suche nach “Gebühreneinzugszentrale” bei XING. Ich tippe auf Ghostwriter. Insgesamt sind auch sehr wenige Personen aktiv bei XING unter dem Firmennamen angemeldet. Vielleicht auch nur zum Selbstschutz vor dem klassischen Mob der Bevölkerung?
Social Media bedeutet Interaktion, Kollaboration, Kommunikation und alles mögliche, was der Nutzer hoheitlich anstellen kann, um im schlimmsten Fall ein Unternehmen zu kolportieren. Wie würde es also bei der GEZ aussehen, wenn man sich den Nutzern öffnet? Doch halt, nicht alles ist im Sinne des Erfinders, wenn man mit der üblichen Trotzhaltung der Nutzer und mit Forenhaftung konfrontiert wird. Das GEZ-Forum hat Regeln und klare Grenzen, denn:
“Unser Forum wird moderiert und hat „Öffnungszeiten“. Von Montag bis Freitag, zwischen 8 und 22 Uhr, können Sie mit Ihrer Meinung zur Diskussion beitragen und Ihre Einträge online stellen. Am Wochenende, an Feiertagen sowie außerhalb des angegebenen Zeitrahmens ist der Zugriff auf das Forum beschränkt: In diesem Zeitraum können Sie die Forums-Diskussion nachlesen, jedoch keine Beiträge hinzufügen.”
Ja, so eine Einladung wirkt auf die Nutzer wie eine offene Tür, die es einzurennen gilt. Erste Beiträge zur GEZ, die doch etwas übertrieben positiv wirkten, wurden schnell von negativen Beiträgen aus dem Rennen geworfen. Innerhalb weniger Stunden explodierte das Forum förmlich. Viele Nutzer, ob Gebührenzahler hin oder her, hinterließen im Forum ihren Frust. Und scheinbar niemand aus der offiziellen Liga versucht zu antworten oder sich der Kritik offen zu stellen. Zumindest konnte ich keinen Beitrag erkennen, der offen und ehrlich die Kritikfähigkeit der GEZ beweist. Einige Beiträge, die gewisse Regeln der Kommunikation mit Äußerungen unterhalb der Gürtellinie torpedierten, wurden wahrscheinlich entfernt.
Im Licht der PR ist dies ein wundervolles Beispiel des Muskelzuckens. Das rüde Image, was der GEZ von der Bevölkerung zugeschrieben wird, soll wohl mit dem neuen, offenen Community-Gedanken abgeschrieben werden. Doch egal was man macht, egal welche PR-Agentur sich dort die Mühe gibt – wer nicht die Sprache und Denke der Bürger spricht, der wird einfach mit jedem noch so guten Versuch auf Dauer scheitern. Es wird also weiter gehen, denn sie wollten es so: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ob es was für die Bürger bringt, ihre Meinung der GEZ mitzuteilen, bleibt wirklich eine offene Frage, die man wohl niemals beantworten kann. Wie titelt Meedia so schön? “Das gebührenfinanzierte PR-Fiasko der GEZ” spricht schon als Aussage für sich. Die W&V nennt es mutig, aber konsequent, Daniel Grosse empfiehlt das Abschalten des Forums.
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 02.02.2010 um 11:33 Uhr.
Ich kenne nur wenige Menschen, die von dem schweren Erdbeben in Haiti nicht betroffen waren. Die Bilder gingen auf allen Kanälen um die Welt, bei Twitter schnellte “Haiti” schnell zu den meistgenutzten Schlagwörtern hoch und wird immer noch alle paar Minuten befeuert. In diversen Blogs und selbstverständlich in allen klassischen Medien kam die Berichterstattung zu dem Unglück nicht zu kurz.
Wir kamen in den Genuss einer wunderbar inszenierten, emotionalen Machtprobe von Medien und Meinungsmacher. Eindrucksvoll wurde anhand des Erdbebens von Haiti demonstriert, dass die Berichterstattung der Medien immer noch die Informationslage prägt, über die der Endkonsument spricht. Das Leid und Elend sorgte für genügend Material, um abendfüllende Sendeinhalte zu fabrizieren und Sondersendungen anzusetzen. Kritik in positiver und negativer Hinsicht gab es hierzu schon allemal. Dann folgte ein Spendenaufruf nach dem anderen, ein Spendenmarathon jagte den nächsten. Das übliche Prozedere.
Doch neben diesen typischen Inhalten, die zu jedem emotional getriebenen Anlass produziert werden, gab es für diverse Kommunikatoren und Presseabteilungen eindeutige Anlässe, sich diesmal selbst zu übertreffen. Das Schockerlebnis von Haiti beflügelte die Geister, eine Pressemeldung nach der anderen zu verschicken. Fast stündlich erreichten mich an den brisanten Tagen des Unglücks die Pressemitteilungen zu Spendenaktionen. Der Fairness halber muss man betonen, dass solche Aktionen für jedes beteiligte Unternehmen immer einen Nachrichtenwert besitzen. Selbst auch dann, wenn sie die eigene Meldung nach nur einer Woche mit den wunderschönsten Erfolgserlebnissen und Rekordsummen übertrumpfen konnten. Eine Schlacht der Zahlen auf dem schmalen Grad zwischen Ethik und der Pflicht zur Kommunikation.
Wenn wir es auf grobe Zahlen bringen wollen, bringt es derzeit der Branchenprimus ots/newsaktuell auf fast 300 Suchergebnisse zu Pressemeldungen unter dem Stichwort “Haiti”. Auch der kostenlose PR-Dienstleister openPR bringt stolze 121 Meldungen zu Haiti zu Tage. Bei ddpdirect kommen zumindest 54 Treffer zusammen. Natürlich sind diese Zahlen nur ein Ergebnis für die PR-Arbeit in Deutschland, ebenfalls auch nur ein Ausschnitt dessen, was derzeit öffentlich einsehbar ist. Zahlreiche Anbieter verschicken auch direkt oder verzichten auf den Service der Dienstleister. Weltweit bricht das Aufkommen von Pressemeldungen zu Haiti gewiss so manche Rekorde mit den Rekordsummen.
Was sagt uns das? Haiti Relations sind in der Presselandschaft ein Top-Thema zu Anfang des Jahres 2010. Ich vermute zumindest, dass nahezu kein Journalist/Redakteur diese Pressemeldungen weiter beachtet hat, als sie direkt in Ablage P zu befördern. Wenn überhaupt fand das Thema auf lokaler Ebene auch Anklang, indem eine Stadt über ihre Rekorde berichtet und die lokale Zeitung das Thema sorgfältig aufsammelt. Aber sonst? Pustekuchen.
Gewiss ist dies ein gewagtes Thema, sich über diese Haiti Relations auszulassen, vor allem nachdem man sich knapp zwei Monate nicht hier im Blog zu Wort meldet. Doch in der spärlichen Zeit, die mir zum Bloggen bleibt, wollte ich meine Gedanken dazu niederschreiben. Schließlich bin ich als PRler ein Teil der Branche – habe jedoch keine Rekordsummen-Spendenaktion-PR betreiben müssen, was mein Gewissen nicht beeinträchtigt. :)
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 18.11.2009 um 19:28 Uhr.
Man nehme eine zündende Idee, hole sich den einen oder anderen kreativen Kopf und fähigen Entwickler, stecke dann für einige Tage die Köpfe zusammen und heraus kommt “Tagesthema.de“. Ibrahim Evsan, Gründer von sevenload, gab heute in Twitter bekannt, dass er mit einem sehr kleinen Team und überaus wenig Aufwand den neuen Nachrichten-Aggregator für deutsche Medien erstellt hat.
Die Umsetzung von Tagesthema.de zeichnete Ibo zusammen mit Andreas Cappel, Sebastian Herp und Andreas Weiß verantwortlich. In seinem aktuellen Bericht “3 Days to Market” erläutert er im Detail, dass wir Deutsche vor allem Innovationsmanagement betreiben müssen. Und nicht zuletzt sollen damit Ideen in einer sehr kurzen Zeitspanne zur ersten Marktreife gebracht werden. Durch den Start von “Tagesthema.de” konnte Ibo seine Theorie kurzerhand direkt unter Beweis stellen – warum auch nicht?
Doch dieser spontane, schnelle Weg zur Realisierung eines Projektes ist durchaus für Unternehmen eine Chance, um sich am Markt zu behaupten und schnell zu reagieren. Natürlich nur, sofern das Unternehmen auch in seine Mitarbeiter, die eigentlichen kreativen Köpfe, ein hohes Maß an Vertrauen schenkt. Von der Idee in drei Tagen zum Ziel – persönlich fand ich dieses Thema äußerst spannend, insbesondere weil Twitter sehr stark in diesen Social News Aggregator integriert ist, so dass ich Ibo direkt zu einem spontanen Interview bewegen konnte.
Als Gründer und Unternehmer von sevenload hast Du Dir in Deutschland und Europa einen Namen gemacht. Der Markt erwartet bereits Dein neues Social Gaming Startup. Heute überraschst Du mit Tagesthema.de – was erwartet die Nutzer?
Ibrahim Evsan:Tagesthema ist ein individueller Nachrichten-Aggregator, bei dem sich die Informationen nahezu in Echtzeit aktualisieren. Die ursprüngliche Idee für Tagesthema war eigentlich, dass ich direkt meinen Blogeintrag “3 Days to Market” beweisen wollte. Dafür brauchte ich ein aktuelles Projekt, das sich in einem so kurzen Zeitraum zur Veröffentlichung realisieren lässt. Mehr ist es eigentlich nicht. Nun wird Andreas Cappell das Projekt als Nachrichten-Aggregationsplattform technisch und konzeptionell weiterführen.
In deinem Blog erläuterst Du die Hintergründe der schnellen Entwicklung innerhalb von nur drei Tagen von Tagesthema.de. Was war die größte Herausforderung?
Ibrahim Evsan:Keine. Das Tolle daran war: Wir haben einfach gemacht und schau her. Ready to go unter dem Motto ‘keep it simple, keep it short’. Wir wollten mit Tagesthema beweisen, dass wir in weniger als einer Woche ein neues Projekt auf die Beine stellen können, das natürlich am Markt angenommen wird und auch künftig den Nutzern einen Mehrwert bieten kann. Diese Entwicklung und die Idee – als Projekt ist dies auch eine Form von Innovationsmanagement.
Wie definierst Du den eigentlichen USP des Portals?
Ibrahim Evsan:Wir kombinieren Twitter-Feeds mit RSS und zeigen die Stimmen der Menschen. Meinungsbildung ist ein Schlüsselfaktor in der Medienwelt. Die Nutzer sind heute mündig genug, ihre eigene Meinung zu bilden und zu veröffentlichen. Wir kombinieren diese Meinungsvielfalt mit dem journalistischen Informationswert der Nachrichten. Weiterhin kann man seine eigenen Tagesthemen anpassen, sobald man sich über die Schnittstelle von Twitter bei Tagesthema.de anmeldet. Die Ideen, wie wir das System weiter entwickeln, hängt nun von den Nutzern ab. Wir wollen gerne, dass sie uns mitteilen, was sie gut finden. Dann werden wir genau das für sie umsetzen.
Brauchen die Nutzer einen weiteren Dienst neben Google News, Nachrichten.de und Rivva?
Ibrahim Evsan:Keine Ahnung. Das entscheidet der Nutzer. Jeder Dienst hat seine Daseinsberechtigung und für einzelne Nutzer ergeben sich hier und da immer individuelle Vorteile oder Nachteile gegenüber anderen Anbietern.
Können Nutzer bei Tagesthema die dargestellten Informationen personalisieren?
Ibrahim Evsan:Ja, jetzt schon, indem sie sich einfach anmelden und Tagesthema für sich anpassen. Die Anpassungsfähigkeit werden wir in den nächsten Wochen erweitern, denn noch befindet sich Tagesthema nach nur drei Tagen Entwicklungszeit in einer frühen öffentlichen Beta-Version.
Man erkennt bereits erste Werbebanner über Google AdSense. Soll Tagesthema sich durch Werbung allein refinanzieren?
Ibrahim Evsan:Genau. Was danach kommt, war für dieses Projekt und in der kurzen Zeit zwischen Idee und Launch im Sinne des „3 Days to Market“-Prinzips noch nicht planbar. Es wäre aber sehr gut, wenn wir damit beweisen, dass sich dieses Projekt auch rechnet. Wir werden die Entwicklung beobachten und schauen, ob wir sehr bald für gezieltere Nachrichten mit passenden Werbeinhalten entsprechendes Datenmaterial dazu erheben können. Natürlich nur, sofern der Nutzer dem zustimmt.
Verleger fordern ein Leistungsschutzrecht für ihre Nachrichteninhalte. Kommt Tagesthema dem nach, suchst Du den Konsens mit den Verlegern und beteiligst Sie anteilig an den Werbeerlösen?
Ibrahim Evsan:Das wäre wirklich innovativ. Doch lassen wir Tagesthema sich vorerst ein wenig weiter entwickeln. Wir können uns eine Beteiligung an den Werbeerlösen natürlich auch vorstellen, genauso wie wir die Idee verfolgen, das gesamte System als Open Source Lösung anzubieten. Dann haben alle was davon und jeder kann sich einen eigenen Nachrichten-Aggregator erstellen und für seine persönlichen Zwecke anpassen. Schließlich leben wir in einer Welt, die von Informationen und Wissen dominiert wird. Es ist nichts einfacher als so seine besten Quellen zusammenzuführen, dass man jederzeit einen individualisierten Überblick über die Nachrichten hat. Also den schnellen Blick auf das Tagesthema.
Vielen Dank für das Interview!
Hinweis: Das Interview führten Ibo und ich spontan und aus freien Stücken heraus. Dass Ibo jenes Unternehmen gegründet hat, bei dem ich seit über drei Jahren arbeite, trug beeinflusste selbstverständlich nicht das Interview. Diese Tatsache sei für den geneigten Leser nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 17.11.2009 um 20:42 Uhr.
Gut zwei Wochen ist es her, seitdem die Welt Kompakt einem Relaunch unterzogen wurde. Nicht nur der klassische Print-Titel konnte sich der inhaltlichen Erweiterung und Umgestaltung der Themenschwerpunkte freuen, vor allem profitierte die deutsche Verlagsbranche von diesem kühnen Stunt des Axel Springer Verlags. Wer hätte es bis vor kurzem überhaupt für möglich empfunden, dass eine gedruckte Zeitung die Freigeister der Netzkultur und Protagonisten der Social Media, der Digitalen Clique so begeistern konnte?
Das schaffte die Zeitung, indem sie sich so intensiv wie im Print nur möglich mit dem Internet und Social Media auseinander setzt. Dabei wird nicht nur ein eigenes Ressort zu dem Thema auf einer Doppelseite ablichtet. Vielmehr findet eine Vollintegration von einer jederzeit bei Facebook und Twitter ansprechbaren Redaktion auf die Beine statt. Dieser Mut, etwas Neues zu probieren und sich trotz einiger Kritiker durchzusetzen, verdient Respekt und Anerkennung.
Auf einmal standen Promoter an den Ecken, die die Welt Kompakt verteilten. Im Flieger nach Berlin wurde sie mir bereitwillig ausgehändigt. Unzählige Plakate mit verschiedenen Motiven zum Nachdenken finden sich als Teil dieser breit angelegten Kampagne auch in Köln und vielen anderen Städten wieder. Auch der Besitzer vom kleinen Tabakladen in Ehrenfeld schwärmt von der Welt Kompakt und händigt sie mir schon fröhlich jeden Tag aus – und weist mich darauf hin, dass die doch am Vormittag gerne schnell vergriffen ist. Wieso zum Teufel hat man seit zwei Wochen nur die Welt Kompakt im Kopf?!
Vielleicht deswegen, weil es ein einzigartiger und neuer Ansatz ist, um der Medienwelt in Deutschland mehr Leben einzuhauchen. Viele deutsche Verleger lamentieren seit einiger Zeit öffentlichkeitswirksam über die düstere Zukunft ihres Metiers. Sie haben oft die zukünftigen Trends verschlafen oder erst viel zu spät reagiert. Man denke nur an das Abwandern der Anzeigenkunden mit ganzen Etats nur in den Online-Werbemarkt, oder das Versagen vom Print im aussichtslosen Kampf gegen den Tod der regionalen und lokalen Kleinanzeigenmärkte. Und die Verleger verlangen jetzt mit endlosen Plädoyers nach der Einführung von Leistungsschutzrechten für ihre journalistischen Erzeugnisse. Im Internet muss guter Journalismus mit fundierten Recherchen, tiefgründigen Inhalten und objektiv qualitativen Aussagen geschützt werden. Keine Frage, dahinter stehe ich immer mit einem Bein. Doch mit dem anderen Bein stehe ich weit weg auf der anderen Seite. Denn wer seinen durchaus für den Nutzer kostenfreien Online-Content, der sich ja bereits seit Jahrzehnten mit Werbung refinanziert, am liebsten über Paid-Content als Geschäftsmodell zur Monetarisierung des journalistischen Produkts refinanzieren möchte, und dann auch noch an staatliche Unterstützung denkt, der hat nicht verstanden, dass der Nutzer längst die Macht in den Händen hält.
Wir definieren durch unser Interesse und unsere Nachfrage genau die Inhalte, die wir von den einstigen Gatekeepern in journalistischer Aufbereitung zu lesen bekommen. Und die Meinung bilden mittlerweile einzelne Leuchttürme im Netz, die eigenständige Individuen und keine ganzen Redaktionen sind. Wir bilden doch unsere Meinung jeden Tag, ein redaktionell geführtes Medium versucht sich so nah an der idealen Meinungsbildung für die Masse heranzuwagen, wie nur möglich ist. Der einzelne Leser hat keinen direkten Einfluss auf das Produkt, was ihn am nächsten Morgen erwartet. Leserbriefe gab es ja schon immer, doch wie ist die nächste Stufe? Der Leserreporter oder der Bürgerjournalist? Ohne zu viel Kompetenz aufzugeben, muss ein Verlag umdenken und neue Strukturen zur Kommunikation auf Augenhöhe mit seinen Lesern etablieren. Was liegt also näher, als den Nutzer, den Leser, den Hörer, den Zuschauer, den Prosumenten als Individualisten in das klassische Produkt zu integrieren?
Ein logischer Schluss, der meiner Meinung nach bei der Welt Kompakt sehr erfolgreich umgesetzt wurde. Was habe ich mich gefreut wie ein Schneekönig, als ich einmal mit meinem Kommentar über Twitter und ein weiteres Mal über Facebook den Weg in die gedruckte Welt Kompakt fand? Mein Bedürfnis der Anerkennung als Leser wurde endlich von einer Redaktion befriedigt, indem ich nicht nur als fremde Meinung eines Leserbriefs dargestellt wurde, sondern als integrierter Bestandteil auf zumindest der thematischen Doppelseite zu Internet und Social Media meinen Namen fand.
Auch ist das Engagement vieler Redakteure und Journalisten der Welt Kompakt bei Twitter sehr reizvoll. Nicht jeder von ihnen nutzt Microblogging regelmäßig, doch man findet Kontakt und Dialog mit ihnen. Etwas, was nicht nur den PRler in mir freut, sondern mich einfach begeistert. Viele andere Journalisten in Deutschland, wenn wir mal die urtypischen Köpfe der Bloggerszene und diejenigen aus dem Bauch von Social Media heraus ignorieren, verstehen noch nicht einmal, dass der Dialog mit den Lesern auch außerhalb des eigenen Blattes stattfinden kann. Wow, was also will man mehr?
Eigentlich alles. Da reicht die Welt Kompakt einem den kleinen Finger, und man möchte gleich den ganzen Arm vor Begeisterung abreißen. Ja, am liebsten würde ich selbst einen meiner Artikel, sofern sie auch einen thematischen Bezug zum Blatt oder inhaltlichen Nutzwert für den typischen Leser bieten, in der Welt Kompakt wiederfinden. Nicht als einfache Kopie meines gebloggten Wortes, sondern als legitimierter Gastautor vielleicht. Oder als lokaler Berichterstatter für den neuen Lokalteil über Köln agieren. Im Prinzip möchte man als Leser doch das realisieren, wodurch einen die digitalen Bürgerzeitungen im Netz bereits im Ansatz befähigte, nur in Form einer übersprungenen Barriere zwischen digitaler Kluft und gedrucktem Wort. Traumvorstellung? Wenn die Welt Kompakt, zumindest wie Thomas Knüwer es schrieb, auch Blogartikel abdruckt (hoffentlich nur nach Nachfrage und lizenzrechtlicher Genehmigung), wäre das doch mal ein interessanter Aspekt.
Fast zwei Wochen brauchte ich, um mir meine Gedanken zu dem Neustart der Welt Kompakt zusammen zu reimen. Nebenbei vergaß ich auch das Bloggen, denn ich las sehr gerne die gedruckten Artikel, was auch meine private Freizeit limitierte. Das Thema wurde bereits sehr oft auf Twitter, in zahlreichen Blogs und in diversen Fachmagazinen der Medienbranche breit getreten. Bringt es also heute noch, eine Blattkritik zu dem Thema zu veröffentlichen? Ohne das Kauderwelsch von vielen Kollegen zu wiederholen: Ja, man kann es sich erlauben, dazu etwas zu schreiben. Ich bin stolz auf das Produkt, was ich jeden Morgen in Händen halten darf. Als reger Leser, der selbst seine Wurzeln in der Zeitungslandschaft sieht, habe ich seit dem Relaunch der Welt Kompakt wieder unglaublichen Gefallen an der Tagespresse gefunden, nachdem ich für fast fünf Jahre keinen Pfennig, ja keinen Cent, für die morgendliche Zeitungslektüre ausgab. Hut ab für das Wagnis, dem totgesagten Print neues Leben einzuhauchen und so intensiv die digitalen Kommunikationsmittel von Twitter, Facebook, Blogs und den Zeitgeist von Social Media in eine gedruckte Publikation zu integrieren. Das darf ich begeistert behaupten – und nein, von der Redaktion wurde ich nicht für diesen Artikel geschmiert. :)
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 07.10.2009 um 10:29 Uhr.
Die Welt dreht sich an diesem Morgen immer schneller. Insbesondere für Herrn Dr. Wolfgang Schäuble, dem laut der CDU Gengenbach sein Rücktritt nachgesagt wird. Via Twitter kursieren erste Gerüchte, und ich persönlich finde diese Entwicklung sehr irritierend. Keine offizielle Pressemeldung, auf der offiziellen ministerialen Homepage liest sich kein Wort dazu, und scheinbar ist sein Heimatsverband das initiale Strohfeuer für diesen… möglichen Fake?
Bei Twitter zumindest geht’s ab wie Schmitz’ Katze, wenn man nach “Schäuble” sucht. Social Media als Gerüchteküche Nummer Eins? Für die CDU-Presseabteilung wird sich dieser Tag wohl zu einem kleinen Desaster entwickeln.
Update, 10.45 Uhr:
Noch ist die CDU Gengenbach nicht telefonisch erreichbar. Immerhin war ich so frei auf deren Anrufbeantworter zu sprechen und um eine Stellungnahme zu bitten. Abwarten und Tee trinken.
Update, 11.30 Uhr:
Die Webseite der CDU Gengenbach ist nicht erreichbar. Entweder liegt es am Ansturm über Twitter, was ich leicht bezweifle, oder man hat schnell reagiert und bemüht sich um Schadensbegrenzung.
Update, 11.50 Uhr:
Jetzt ist die Webseite da – und es stellt sich wohl heraus, dass es sich bei der Aktion um einen echten Fake handelte. So kann’s gehen – das hat aber nichts mit Social Media zu tun, sondern mit den eigenen Sicherheitsvorkehrungen für administrative Passwörter.
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 30.09.2009 um 19:12 Uhr.
Gratis, umsonst, kostenlos. Das Internet und diverse Social Media Angebote offerieren den Nutzern unzählige Inhalte zum interagieren und konsumieren. Vornehmlich sind redaktionelle Inhalte ein hochwertiges Gut, dass von irgendwem erstellt und produziert werden muss. Die Recherche, das Schreiben, das Bereitstellen – dieser Aufwand von unzähligen Redaktionen verschlingt beachtlich viel Geld. Journalismus at Highspeed versus die Forderung nach Qualitätsjournalismus – das kennen wir ja zu genüge. Wer gute Inhalte konsumieren möchte, bezieht solche Inhalte im Abonnement gegen Bezahlung. Die Alternative für die Refinanzierung von digitalen Inhalten stellt, wie seit Jahr und Tag bekannt, die Online-Werbung in all ihren Facetten dar: Ob Display-Ads oder InVideo-Advertising – mittlerweile findet sich für jeden Content-Anbieter eine Option zur Refinanzierung des redaktionellen Aufwands.
Die berüchtigte “Kostenlos-Kultur” im Internet ist nämlich nicht kostenlos, denn ein wirklich werbefreies Angebot gibt es nicht. Mit Ausnahme von wenigen Bloggern, die selbst keine Werbebanner oder Anzeigen schalten, oder den bekannten “Paid-Content”-Angeboten, findet der Nutzer nahezu kaum echte “kostenlose” Inhalte, die einen inhaltlichen Informationswert oder nachhaltigen Mehrwert liefern.
Fachpublikationen und Branchenmagazine kämpfen auch in Deutschland um die Gunst der Leser. Mittlerweile nicht mehr zu wöchentlichen Erscheinungsterminen, sondern zu jeder Stunde. W&V, Horizont, DWDL, Internet World Business, kressreport oder turi2 sind besonders im Bereich Medien, Marketing und Kommunikation die Vorreiter der Informationsverbreitung. Auch bei Twitter treffen sich die Redaktionen und sind mit ihren Informationen meist schneller, als es die Post erlaubt. Kommen wir zurück zur Ausgangslage. Denn all dies möchte doch bitte finanziert werden.
Nun kommt Twitter als weiterer Distributionskanal daher, das natürlich für die Branche eine neue Option zur Verbreitung ihrer Inhalte ist. Auch gestandene Nachrichtenportale wie Spiegel Online setzen auf Twitter zur Verbreitung ihrer Nachrichten. Meist erfolgt dies als Tweet, der einer Kopie der RSS-Feeds gleicht, manchmal steckt auch eine gewisse persönliche Kommunikation, der vielgelobte Dialog auf Augenhöhe, mit den Followern statt. Die Fachmagazine rund um Medien, Marketing und Kommunikation stehen da an vorderster Stelle. Ich bin immer wieder begeistert über den einen Tweet im Dialog mit den Redaktionen. Bis dato ist diese Informationspolitik mit Dialogcharakter fast immer “werbefrei”. Bis heute zumindest.
Ab sofort startet der @kressZwitscher ein neues Vermarktungsangebot für Werbetweets:
kress bietet Ihnen ab sofort die Möglichkeit einen Anzeigen-Tweet auf http://twitter.com/kressZwitscher zu buchen. Mit dieser innovativen Werbeform können sie Nachrichten in Echtzeit kommunizieren und erreichen eine Zielgruppe, die besonders affin für aktuelle Geschehnisse in der Medien- und Marketing-Welt ist. Die Follower von „kresszwitscher“ sind aktive Multiplikatoren, die Meinungen bilden und verbreiten – unsere Nachrichten werden sehr häufig „retwittert“, das heißt, unsere Follower leiten die Nachrichten an ihre Follower weiter usw.
Pro Tag wird nur ein Anzeigen-Tweet versendet, so können wir Ihnen eine einmalige Exklusivität bieten, denn Sie müssen den Werberaum nicht mit anderen Werbungtreibenden teilen.
Bereits mit 200,00 Euro ist man beim Gezwitscher von kress mit von der Partie und kann bis zu 110 Zeichen an fast 8.000 Follower verbreiten. Eine einfache und kostengünstige Alternative, um die Werbebotschaft an den Mann und an die Frau zu brignen. Die wiederum natürlich nicht ausschließlich die Tweets in ihrer Übersicht erhalten, sondern viele weitere Tweets anderer Tweeple zum Mitlesen. Da geht ein Tweet schnell mal unter. Es vergehen nur wenige Sekunden, bis bei mir die Tweets aus der individuellen Twitter-”Home” nach hinten durchgereicht werden. Werbung würde sich dann zumindest bei mir schnell aus den Augen verlieren. Wird also die Werbung dann auch als echte Werbung gekennzeichnet, so dass “Werbung: ” vor dem Werbetweet zu lesen ist? 10 Zeichen von 140 weniger, abzüglich der 110 Zeichen ergeben nur 20 Zeichen für eine letzte (Short-)URL auf das beworbene Angebot.
Ich nutze Twitter mit @sichelputzer nahezu ausschließlich privat und hoffe, dass dies meinen Followern auch bewusst ist. Neben dem üblichen Tratsch und Netzgeflüster bestehen viele Tweets überwiegend aus Links zu diversen Online-Angeboten, natürlich auch mal dem eigenen Links. Da fragt man sich doch, ob die Streuverluste von werblichen Tweets nicht sogar so hoch ausfallen, dass sich diese Offerte nicht über kurz oder lang in Wohlgefallen auflöst?
Vor allem ist die Zielgruppe der Follower viel zu undurchsichtig, da keine vollständigen sozio-demografischen Angaben für die Mediaplanung bei Twitter im Profil hinterlegt sind. Der Aufwand, jeden Follower zu analysieren, liefert über die verfügbaren Profilangaben zu wenige Details. Selbst das händische Auswerten der Nutzer über die Profillinks zu Webseiten, Blogs oder XING-Accounts beinhaltet viele ungenaue Details. Es wäre durchaus eine viel zu vage Vermutung, dass die Follower eines Mediums den typischen Leitbildern einer Media-Analyse, respektive Zielgruppen-Analyse hinsichtlich Geschlecht, Alter, Beruf, Familienstand, Einkommen und Bildung entsprechen. Bucht man den Werbetweet auf gut Glück oder sucht man die Masse statt Klasse?
Und wie wirkt sich ein Werbetweet auf die Follower aus? Würden sie die werbliche Tweets aktiv nutzen, oder doch selbst bei nur einem Werbetweet pro Tag unfollowen? Newsletter und Webseite zu kress liefern für wissbegierige Follower selbstverständlich ebenfalls die Nachrichten, die zwar mit Werbung refinanziert werden, aber durch die Detailfülle wiederum punkten können. Das Heft steht dabei außer Frage. Oder die Follower greifen natürlich auf konkurrierende Angebote zurück.
Ich bin persönlich sehr gespannt, wie erfolgreich die Werbetweets werden und ob sich hier eine Erlösquelle für gut besuchte Twitter-Accounts ergibt. Bisher hörte man in der Twittersphere nur von Fehlversuchen eines Werbetweet-Modells – so wie Social Media halt ist, springt es einem direkt, unverblümt und ehrlich zurück ins Gesicht.
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 27.09.2009 um 10:07 Uhr.
Gestern verfolgten wir das letzte Aufbäumen im aktuellen Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 auf ProSieben. Niemand geringeres als Stefan Raab lud führende Politiker der Regierung und Opposition in die Sondersendung von “TV total”. Ihren Platz in der Sendung nahmen Christian Wulff (CDU), Franz Müntefering (SPD), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Guido Westerwelle (FDP), Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Gregor Gysi (DIE LINKE.) ein. Wer fehlte war offensichtlich: Frau Merkel und Herr Steinmeier ließen sich vertreten.
In etwas mehr als drei Stunden debattierten und diskutierten die Spitzenkandidaten und ihre Vertreter vor einem lautstarken Publikum und wetterten gegen alles und jeden. Immerhin versprühte diese Sendung genug Würze für unentschlossene Wähler, die nach dem langweiligen Kanzlerduell sich nach einem Schlagabtausch sehnten. Während das damalige TV-Duell zu einer Farce zwischen bisherigen Koalitionspartnern wurde, entwickelte sich in der gestrigen Sendung zumindest Potential für einen verbalen Schlagabtausch. Und das tat den Wählern gut, wenn sie am Samstagabend noch Zeit für diese Elefantenrunde hatten.
Was Netzbürger interessieren mag: Ja, die Piraten waren nicht in Person, sondern nur als Teil der Debatte vertreten. Der platte Startschuss von Herrn Guttenberg, der die Piraten süffisant als “vor Somalia” abwiegeln wollte, kam selbst bei den anderen Politikern nicht gut an. Daraus schlug Herr Trittin einen Bonus, indem er von Gesprächen mit den Piraten erzählte und sich für die Interessen der Piraten bekundete. Doch mit einem hat er wohl recht: Wenn die Piraten die Fünf-Prozent-Hürde nicht erklimmen, kann mit den Stimmen nichts erreicht werden. Deswegen plädierte Trittin auch für die Stimme an die Grünen, die aller Wahrscheinlichkeit nach eher im Bundestag vertreten sein werden als die Piraten. Urteilen über diese Situation, die schon einen gewissen Wahrheitscharakter besitzt, sollte jeder selbst nach bestem Wissen und Gewissen.
Es ist nicht verwunderlich, dass laut jüngster Pressemitteilung diese Ausgabe von “TV total” mit 25,3 Prozent bisher die stärkste Wahlsendung bei den jungen Zuschauern im Alter von 14-29 Jahren war, was auf insgesamt 15,2 Prozent MA bei den 14-49-jährigen Zuschauern widerspiegelte. Das nicht offizielle Endergebnis der “TV total Bundestagswahl” liest sich wie eine Kampfansage sowohl an die regierenden Parteien als auch an die Opposition:
CDU/CSU: 26,6%
SPD: 17,7%
FDP: 19,9%
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 15,4%
DIE LINKE.: 20,5 %
Heute entscheiden wir uns für die Zukunft in Deutschland. Wir sind die Wahlberechtigten. Geht wählen!
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 16.09.2009 um 12:41 Uhr.
Die neueste Version von “Did You Know” ist diesmal ein brillantes Video von Karl Fisch, das die veränderten Bedingungen der Medienwelt überaus eindrucksvoll und zeitgemäß mit überwältigenden Zahlenbeispielen darstellt.
Veröffentlicht von Mike Schnoor am 13.09.2009 um 18:22 Uhr.
Dies ist eine schwierige Situation für mich als Vater, Ehemann, Berufstätiger, Pressemensch, Meinungsbildner, Bürger, Wähler, Homo Politicus. Darf eine Staatsmacht gegen seine Bürger, die scheinbar friedlich ihre Meinung kund geben und die Transparenz im Staate fordern, mit Gewalt vorgehen? Mit allem Respekt, wer als Vertreter einer Macht im Staate ein verantwortungsvolles Amt trägt, sollte auch seiner Verantwortung gerecht werden. Die Polizei dient zum Schutze des Bürgers und nicht minder zum Schutze des Staates. Bei der Großdemonstration in Berlin, der “Freiheit statt Angst“, gingen wohl 25.000 Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen die totale Überwachung von Telefon, Handy und Internet – gegen die ausufernde Überwachung in Deutschland.
Selbst wenn es laut eigenen Angaben auf Seiten der Demonstranten friedlich zulief, spielte die Gegenseite, in diesem Fall die Polizei, anscheinend nicht mit. Wie in dem Video eindrucksvoll und beängstigend dokumentiert ist, wurden scheinbar mehrere Passanten durch rohe Gewalt der Polizei-Sicherheitskräfte verletzt. Wenn man diese wenigen Minuten im Video betrachtet, kommt einem das Gefühl der totalen Ohnmacht. Was kann man dagegen machen? Kann man überhaupt? Ja, ich glaube, dass man hier etwas unternehmen sollte, denn dieser Zwischenfall darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Was für ein Glück im Unglück, dass die Sympathisanten und Demonstranten mit zahlreichen Digitalkameras und Videokameras ausgerüstet sind, um diesen potentiellen Machtmissbrauch seitens der Personen in Uniform sehr detailgenau für die Nachwelt aufzunehmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Polizisten sich unter dem Deckmantel einer Einheit, ohne Angabe einer Dienstnummer, im Schleier der Team-Verbrüderung, nahezu unerkannt bei Großveranstaltungen bewegen konnten und gegenüber den Bürgern gewalttätig werden.
Um diese Thematik direkt anzuprangern, könnte man folgendes sagen: Ihr seid es, die jetzt auf Video dokumentiert sind. Eure Gesichter kennt jetzt nicht nur derjenige Mensch, gegen den ihr Gewalt anwandt, sondern es sind Millionen eurer Mitbürger, denen ihr jeden Tag in eurem Leben auf der Straße begegnen werdet. Social Media ist nicht nur für einige wenige Geeks und Nerds ein kommunikatives Instrument. Nein, Social Media ist zur Macht der Menschen geworden. Ihr werdet auch lückenlos aufgenommen, so wie es der Staat mit seinen Bürgern versucht, aber eure Aufnahmen verbreiten sich wie Lauffeuer im Internet. Hier werden eure Fehler detailgetreu dokumentiert und öffentlich angeprangert, denn ihr seid für eure Taten verantwortlich.
Das sollte jedem, der eine Uniform trägt, der ein Amt bekleidet, eine Organisation oder den Staat vertritt, zu denken geben. Ihr seid selbst für euer Handeln verantwortlich. Die Bevölkerung dokumentiert euer Treiben, ihr prangert euch selbst an. Schützt euch vor euch selbst und vollzieht die Konsequenzen, in dem die Verantwortlichen sich nicht ihrer Verantwortung entziehen können. Das Internet vergisst euch nicht, dieMediennehmendiesenVorfallernst. Glaubt ihr noch wirklich, dass ihr alle so weitermachen könnt? Fehlanzeige.
Immerhin reagiert die Polizei nach mehrfachen Anfragen von Journalisten und Presseagenturen und leitet laut ihrer Stellungnahme ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt ein:
Die Vorgehensweise der an der Festnahme beteiligten Beamten einer Einsatzhundertschaft, die auch in einer im Internet verbreiteten Videosequenz erkennbar ist, hat die Polizei veranlasst, ein Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt einzuleiten. Das Ermittlungsverfahren wird durch das zuständige Fachdezernat beim Landeskriminalamt mit Vorrang geführt.
Was bleibt zu sagen? Ganz wichtig ist meiner Ansicht nach, dass niemand der Beteiligten und der im Video gezeigten Personen pauschal verurteilt wird. Die Sache mit den Fahndungsfotos, wie in einigen der Berichte zu lesen ist ist schon sehr hart, und ähnelt einem Lynch-Mob aus einem schlechten Western. Auch sollte immer bedacht werden, dass trotz aller Emotionalität dieses Themas wir alle rational bleiben müssen, und darauf hoffen sollten, dass unsere Rechtsprechung in diesem traurigen Fall die richtige Entscheidung treffen wird. Die Wahrheit liegt immer im Detail.
Mein Name ist Mike Schnoor und ich bin der Autor dieses Weblogs. In diesem Umfeld schweife ich textlich aus und präsentiere ich dem frivolen Internetuser alles, was das Herz begehrt. Die Themen meines Medienblogs handeln von Public Relations, Social Media, Marketing, Kommunikation, Weblogs, Microblogging und natürlich die gesamte Medienwelt. Jeder Leser ist gerne dazu eingeladen, seine eigene Meinung zu den von mir aufgegriffenen Themen in den Kommentaren zu teilen. Ich freue mich darauf! :)
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